Wiener Journal - Rum machen

17.10.2021 13:00:00

Rum hat sich längst zu einem eigenständigen Gourmetgetränk gemausert. In seiner pursten Form wird der hochprozentige Alkohol aus Zuckerrohr auf der...

Wiener Journal: Rum hat sich längst zu einem eigenständigen Gourmetgetränk gemausert. In seiner pursten Form wird der hochprozentige Alkohol aus Zuckerrohr auf der Karibikinsel Grenada hergestellt, in immer gleicher Handarbeit seit 1785. Eine Zeitreise.

Rum hat sich längst zu einem eigenständigen Gourmetgetränk gemausert. In seiner pursten Form wird der hochprozentige Alkohol aus Zuckerrohr auf der...

Der erste Schluck fließt runter wie Feuerwasser.Die 1970er waren ein Jahrzehnt der Extreme – in der Musik herrschte Disco neben Punk, Soul neben Funk und R&B war sowieso immer dabei.Überall wird geschraubt, gebohrt, montiert und geputzt.In Wien werden Menschen bereits zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft.

Ebenso der zweite. Bis das Glas leer ist, brennt’s im Rachen. Auf den braven bürgerlichen Parties gab es Bowle, unter der Hand und in den Clubs und Bars griff man zu den harten Sachen. Zur&#252;ck bleibt eine erdige Fruchtnote. Das Gartenbau ist unter Denkmalschutz gestellt worden, weil seine einzigartige Architektur dem Amt als schützenswert galt. River Antoine oder Rivers, wie der Rum aus Grenada auf der Karibikinsel hei&#223;t, z&#228;hlt wahrlich nicht zu den Edeltropfen.\nIn dieser Zeit warf sich der afroamerikanische Fotograf Bruce W. Er erinnert an ein Fossil, das erahnen l&#228;sst, wie Seefahrern und Piraten Rum im 18. Alle Infos dazu findest du >> hier << Mittlerweile haben bereits rund 30.

Jahrhundert geschmeckt hat. Seine oft grobkörnigen, unscharfen Bilder sind Schnappschüsse einer schrillen, lauten, coolen Ära, Zeitdokumente und Erinnerungen an einige der größten Musiker und Sängerinnen aller Zeiten. 'Es gab etliche Bereiche, die man eins zu eins in den Originalzustand zurückversetzen konnte. Jeder Tropfen birgt Nostalgie, schickt die Sinne in die Vergangenheit.\nJahr f&#252;r Jahr wird Rum popul&#228;rer, doch was die Wenigsten wissen: Rum ist nicht gleich Rum! Will man den Unterschied zwischen industriell hergestelltem Rum und dem alkoholhaltigeren Original aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft verstehen, empfiehlt sich eine Reise in den Nordosten der Karibikinsel Grenada. Talamons Talent liegt im Einfangen der Persönlichkeit hinter dem Star, und dieses Buch ist der Beweis – eine faszinierende, nostalgische Fundgrube. An jene Quelle, wo rhum agricole auf traditionell-landwirtschaftliche Weise produziert wird, mit den gleichen Mitteln wie vor &#252;ber 230 Jahren. Dann fanden wir in der hintersten Ecke im Lager ein Stück von dieser Musterung, anhand dessen wir das Muster nachgießen konnten', sagt Shetler. Alles in Handarbeit. berichtete bereits vor wenigen Tagen exklusiv.

\nRum-Produktion wie vor hundert JahrenDie Zeitreise f&#252;hrt nach La Poterie, eine winzige Ortschaft im Schatten eines m&#228;chtigen, von dichtem Urwald ges&#228;umten Vulkankraters. Tief hinein in meterhohe Zuckerrohrfelder, aus denen die roten D&#228;cher der Rivers-Brennerei in den Himmel ragen. Davon gab es nur mehr Schwarz-Weiß-Fotos, die keine Rückschlüsse auf die farbliche Gestaltung dieser Lampen zuließen.Hier empf&#228;ngt die Besucher das breite Grinsen von Withfield Lyons, dessen Z&#228;hne in der glei&#223;enden Karibiksonne wei&#223; strahlen. &#39;Willkommen am Ursprung&#39;, sagt der Grenader.\nKein Eingangsschild, das darauf hinweist, welchen Ort, welches Zeitalter der Besucher betritt.'\nBitte nur originalWozu diese akribische Akkuratesse? Das Bundesdenkmalamt schreibt vor, den Originalzustand möglichst genau herzustellen, bei der Renovierung des Gartenbaukinos gab es eine eigene Referentin, mit der jeder einzelne Renovierungsschritt abgestimmt wurde. Außerdem wird mit.

Rostige Ger&#228;te, die an eine Epoche erinnern, als Mensch und Tier im Einklang technische Wunder schufen. Raue, meterdicke Steinmauern, von Salz und Wind angefressen – was davon &#252;brig blieb, &#252;berzog eine Kruste aus Ru&#223; und D&#228;mpfen g&#228;renden Zuckerrohrsaftes. Dazwischen zeugen einzig bunte Shirts, Kappen und Turnschuhe der Mitarbeiter von der Moderne. 'Das Denkmalamt wollte die Renovierung statt der Neugestaltung, und der Boden sieht nun zwar benutzt aus, ist aber wieder ohne Schrammen. Egal, ob an der alten M&#252;hle, in der das Zuckerrohr gepresst wird, am h&#246;lzernen Handwagen, der mit den Resten der gewalzten Stangen gef&#252;llt ist, am Ofen, der mit ebendiesen beheizt wird, oder an den wuchtigen Kupfert&#246;pfen, in denen der gewonnene Saft zu Sirup aufgekocht wird, bevor er in tiefen G&#228;rtanks zu Alkohol fermentiert: Flei&#223;ige M&#228;nner, die t&#228;glich jene Zeitmaschine anwerfen, deren Technik nicht &#252;ber die Funktion von Rad, Feuer, Hebelkraft und anderen Naturgesetzen hinausgeht, &#252;ber deren Ergebnis sie aufgrund des musealen Charakters immer wieder aufs Neue staunen.\n&#220;ber dem Anwesen liegt eine Duftwolke aus Meersalz und vergorenem Fruchtzucker.

S&#252;&#223; und schwer riecht die Luft, wie fauliges Holz. 'Anfangs überlegten wird noch, die 736 Sitze umfassende Originalbestuhlung nachzubauen, aber das hätte jeden finanziellen Rahmen bei weitem gesprengt', so Shetler. &#220;bert&#252;ncht wird der Geruch nur von Withfield Lyons frischem Aftershave. &#39;Mittlerweile habe ich jeglichen Geruchssinn verloren&#39;, witzelt er, der den Gro&#223;teil seiner dreiundvierzig Lebensjahre in der Brennerei verbracht hat.\nVon Kindesbeinen anAls Kind schon trug er seinen Eltern regelm&#228;&#223;ig das Mittagessen in die Destillerie: Eint&#246;pfe aus Bohnen, Brotfrucht, Spinat und Kokosmilch. In Kombination mit den 383 nun auf LED umgerüsteten Glühbirnen im Saal ergibt sich das Bild eines gediegenen Großsaalkinos, das auch Gemütlichkeit ausstrahlt. Lag der riesige Apparat am Nachmittag still, tollte er mit Freunden auf dem Grundst&#252;ck herum.

Zu seinem Job in der Brennerei kam er sp&#228;ter durch Zufall. Seine Verlobte, die selbst bei Rivers arbeitete, empfahl ihn f&#252;r eine ausgeschriebene Stelle. 'Es wurde buchstäblich jede Leitung neu verlegt, denn die Technik und die Kabel stammten teilweise noch aus dem Eröffnungsjahr 1960', erzählt Shetler. Lyons z&#246;gerte, ging der Zuk&#252;nftigen zuliebe aber hin. Mit seinem Wissen &#252;ber die Produktionsstationen &#252;berzeugte er nach wenigen Minuten. Das war 2001, seitdem k&#252;mmert er sich bei seinen Touren um Touristen und Delegationen aus aller Welt, die bevorzugt die wei&#223;en Str&#228;nde im S&#252;dwesten der Insel aufsuchen – und nur f&#252;r die Brennerei das h&#252;gelige Hinterland Grenadas durchqueren.\nGut verstecktAuch der charakteristische rote Vorhang vor der Leinwand wurde abgenommen und gewaschen, und zwar in Europas größter Waschmaschine (die sich tatsächlich in Wien befindet).

Auch wenn Lyons blind &#252;ber das Gel&#228;nde f&#252;hren kann, r&#252;hrt er Rivers und anderen Alkohol nicht an. Seine Mutter starb vor f&#252;nf Jahren an den Folgen jahrzehntelangen Alkoholkonsums.\nEinst war Rivers das Getr&#228;nk der Zuckerrohrschneider wie auch Lyons’ Eltern, also jenen M&#228;nnern und Frauen Grenadas, die den Rohstoff f&#252;r diese hochprozentige Substanz ernteten, schnitten und entbl&#228;tterten. Deshalb ist die neue Bar ein Stück größer und entspricht nicht ganz dem Original', so Shetler, für den es im Zuge der Renovierung durchaus auch den einen oder anderen Gänsehaut-Moment gegeben hat: 'Auf der Galerie kam beim Abbruch einer Rigipswand plötzlich eine zweite Wand zum Vorschein, die gänzlich mit dem offensichtlich eigens dafür angefertigten Filmplakat zu ‚Spartacus‘ bezogen war', sagt Shetler. Heute ist der Rum auf der ganzen Insel beliebter denn je, wird bei lautstarken Calypso-Musik-Partys ebenso ausgeschenkt wie in den unz&#228;hligen Rum-Shops, die &#252;ber ganz Grenada verstreut sind. &#39;Vielleicht hat er nicht den besten Geschmack oder den besten Geruch&#39;, sagt Lyons, &#39;aber definitiv die besten Nachwirkungen – n&#228;mlich gar keine.

&#39; Denn Rivers sei – trotz seines &#252;ber achtzig Prozent hohen Alkoholgehalts – nat&#252;rlich und organisch, ein Produkt, das nicht gepanscht wird und daher keinen Brummsch&#228;del verursacht. Das teilweise sehr stark verschmutzte Sujet ist nun nicht zur Gänze freigelegt, aber an einer gut erhaltenen Stelle hat man in der neuen Wand einen Guckkasten installiert, der den Blick darauf freigibt. Anders als andere Rumsorten...' Das hat auch damit zu tun, dass ein Teil des Budgets aus einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion lukriert werden konnte.\nVom Fusel zum Kultgetr&#228;nkAls billiger Partydrink mit &#252;blem Kater und als Spirituose, die nicht ernst genommen werden kann, war Rum die l&#228;ngste Zeit in Verruf.

Allen voran Bacardi, der weltgr&#246;&#223;te Rumproduzent, sorgte daf&#252;r, da er seinem Getr&#228;nk jeden Geschmack entzog, um es leichter mischen zu k&#246;nnen. Das lie&#223; nicht nur die Menschheit in dem falschen Glauben, dass Rum wirklich so schmecke, es erschwerte anderen Produzenten, ihr Erzeugnis ernsthaft anzubringen.000 Euro.\nSeit 2010 aber gibt es einen wiederkehrenden Hype um die Zuckerrohr-Spirituose, ausgel&#246;st durch amerikanische und britische Gastronomen, Barkeeper und Connaisseurs, die gemeinsam die Rum-Fahne hochhielten. Damals wurde mehr Rum in den USA konsumiert als je zuvor.\nSeitdem zelebriert die Welt wiederholt das &#39;Jahr des Rums&#39;.Jetzt erstrahlt das Kino in neuem, alten Glanz.

2017 &#252;berschritt der Absatz von Rum in Gro&#223;britannien erstmals die Marke von einer Milliarde Pfund. In den vergangenen zehn Jahren verdreifachten sich dort landesweit die Marken. Auch in &#214;sterreich nimmt die Zahl der heimischen Rum-Produktionen seit 2015 zu. Oktober wird das Gartenbau erstmals seit der Eröffnung wieder genauso aussehen wie damals. Dabei steht der gro&#223;e Moment erst aus, da das Getr&#228;nk gerade dabei ist, richtig im Premium-Sektor anzukommen. Vermutlich irgendwann zwischen 2022 und 2024, tippt Benjamin Jones – einer, der es wissen muss.

Als Direktor von Spiribam, einem amerikanischen Feinkost-Rum-Anbieter und Tochterunternehmen mehrerer karibischer Rumproduzenten, gilt Jones in der Spirituosenwelt als Autorit&#228;t. 'Der Glanz der frühen Tage dieses wunderbaren Hauses ist nun zurück. &#39;Die M&#246;glichkeit, dass Rum die Welt entz&#252;ndet, war in der Vergangenheit immer da, die Streichh&#246;lzer waren blo&#223; feucht. Nun gibt es mehr neugierige Konsumenten, Vielfalt und Qualit&#228;t am Markt, sodass Rum nichts mehr im Weg steht, zu explodieren.&#39;\nDer echte rhum agricoleIm tropisch-feuchten Grenada lassen diese Trend-Vorzeichen die Bewohner genauso kalt wie Jahreszahlen und die Zukunft im Allgemeinen. Oder Fakten: Ja, der Rum aus Barbados ist tats&#228;chlich &#228;lter als die Rivers-Brennerei.

&#39;Aber&#39;, sagt Withfield Lyons, &#39;unsere Nachbarn machen keinen rhum agricole, sondern rhum industriel.&#39;Rhum agricole, also landwirtschaftlich erzeugter Rum, entsteht aus gepresstem Zuckerrohr und macht nur drei Prozent des Weltmarktes aus. Rhum industriel hingegen wird aus Melasse gewonnen, einem Nebenprodukt aus der Zuckerrohrherstellung. Daraus resultiert jenes Getr&#228;nk, das wohl jeder kennt, der schon einmal in einer Bar war, sei es in Form von Havana Club, Bacardi oder Captain Morgan.\nDie 1785 erbaute Rivers-Brennerei gilt damit als &#228;lteste noch operierende Destillerie der Welt, die landwirtschaftlich erzeugten Rum herstellt.

Eine &#246;kologische Auszeichnung, die viele Grenader mit Stolz erf&#252;llt. Dabei ist die Entstehungsgeschichte gepr&#228;gt von Kolonialismus und Sklaverei.\nDass auf der Isle of Spice, der Gew&#252;rzinsel, beinahe jeder Samen gedeiht, den man in den vulkanischen Boden streut, erkannten auch die franz&#246;sischen Kolonialisten. Ende des 18. Jahrhunderts errichteten sie an Grenadas palmenges&#228;umter Nordostk&#252;ste eine Brennerei, wo sie mittels Sklavenarbeit stark alkoholhaltigen Rum herstellen lie&#223;en, um diesen nach &#220;bersee zu verschiffen.

Als Namenstr&#228;ger diente der nahegelegene Fluss, der einen Steinwurf entfernt in den Atlantik m&#252;ndet: Antoine.\nViel ist seitdem passiert auf der Gew&#252;rzinsel: Herrschaftswechsel, Sklavenaufst&#228;nde, Revolutionen, Invasionen und Naturkatastrophen. Auf dem &#252;ber 160 Hektar gro&#223;en Areal der Brennerei hingegen steht die Zeit still. &#39;Bis auf ein paar Pumpen und Plastikrohre ist alles noch wie fr&#252;her&#39;, sagt Lyons und zeigt das Herzst&#252;ck der Brennerei: ein sieben Meter hohes Wasserrad, das seit 1840 in Betrieb ist. Sein Treibstoff: ein umgeleiteter Seitenarm des Flusses Antoine.

Drei Truckladungen Zuckerrohr werden am Ende eines jeden Tages von den Mahltrommeln ausgequetscht, 120 Gallonen Rum, rund 450 Liter, produziert sein.\nDavon verkauft Rivers jede einzelne Flasche – vom gesch&#228;ftlichen Standpunkt her ein Riesenerfolg. Von Export kann keine Rede sein. &#39;Damit decken wir nicht einmal den lokalen Bedarf&#39;, sagt Lyons, dessen Heimatland mit Platz 13 eine der h&#246;chsten Alkoholkonsumraten der Welt aufweist. &#39;Mehr geht einfach nicht.

Unser Rum entsteht in Handarbeit. Ein Markenzeichen, das man kaum woanders findet.&#39;\nHandarbeitAm Ende der Produktionskette sitzt Veronica Augustine McSween, klebt Etiketten auf die leeren Flaschen und bef&#252;llt diese mit dem klaren Fl&#252;ssig-Gold. Jede einzeln. Rund f&#252;nfhundert Flaschen t&#228;glich, f&#252;nf Tage die Woche, seit 38 Jahren.

In Grenada hat wohl fast jeder der einhunderttausend Bewohner schon einmal Rivers getrunken, den McSween zuvor beklebt und abgef&#252;llt hat. Die Stimme der 63-J&#228;hrigen bricht beim Reden, ihr Unterleib ist kreisrund, sie tut sich schwer aufzustehen. &#39;Die Knie&#39;, klagt sie, wirkt, als w&#228;re sie in ihren Stuhl hineingewachsen. Nur einmal verlie&#223; sie ihn wirklich, vor einem Jahr ging sie in Pension. &#39;Aber die Chefin bat mich, zur&#252;ckzukehren.

&#39; Seitdem etikettiert und f&#252;llt McSween wieder f&#252;r Rivers. Sie ist die l&#228;ngstdienende Mitarbeiterin. Viel ver&#228;ndert hat sich in den letzten vier Jahrzehnten nicht. Etliche Kollegen und Manager hat sie kommen und gehen sehen, sonst ist alles gleich geblieben: &#39;Wir schneiden noch immer das Zuckerrohr wie fr&#252;her mit der Machete.&#39;\nWie jeder andere Mitarbeiter ist auch McSween &#252;ber Familienbande zu Rivers gesto&#223;en.

Mutter, Vater, Bruder und Onkel arbeiteten einst hier, nun sind es ihre S&#246;hne, die Zuckerrohr schneiden. McSweens Ehemann k&#252;mmert sich um das Erhitzen der Tanks, die den acht Tage fermentierten Zuckerrohrsaft destillieren. F&#252;r Rivers k&#246;nnte die Bezeichnung &#39;Familienbetrieb&#39; kaum treffender sein. Achtzig Mitarbeiter z&#228;hlt die Brennerei heute, f&#252;nfzig davon auf den Feldern, drei&#223;ig in der Brennerei selbst. Der Gro&#223;teil von ihnen stammt aus der Umgebung.

&#39;W&#252;rden wir auf Maschinen umstellen, w&#228;re La Poterie arbeits- und mittellos&#39;, sagt Withfield Lyons.\nDarum bleibt die Tradition bei Rivers, wie sie ist. &#39;Das ist unser Erbe&#39;, sagt er, &#39;mit all seinen Nachteilen.&#39; Etwa wenn ein Teil kaputtgeht, wie im Juni vor zwei Jahren die Drehvorrichtung der M&#252;hle. Ersatzteile gibt es schon lange nicht mehr, sie m&#252;ssen in Feinarbeit nachgebaut werden.

Niemand auf Grenada kann das, also wird ein Schmied auf der Nachbarinsel Trinidad beauftragt. &#39;Das dauert dann schon ein paar Wochen&#39;, sagt Lyons. Eine Zeit, in der nicht produziert wird. Aber um Zeit sorgt sich in Grenada zum Gl&#252;ck niemand.\n .

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Der erste Schluck flie&#223;t runter wie Feuerwasser.Die 1970er waren ein Jahrzehnt der Extreme – in der Musik herrschte Disco neben Punk, Soul neben Funk und R&B war sowieso immer dabei.Überall wird geschraubt, gebohrt, montiert und geputzt.In Wien werden Menschen bereits zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft.

Ebenso der zweite. Bis das Glas leer ist, brennt’s im Rachen. Auf den braven bürgerlichen Parties gab es Bowle, unter der Hand und in den Clubs und Bars griff man zu den harten Sachen. Zur&#252;ck bleibt eine erdige Fruchtnote. Das Gartenbau ist unter Denkmalschutz gestellt worden, weil seine einzigartige Architektur dem Amt als schützenswert galt. River Antoine oder Rivers, wie der Rum aus Grenada auf der Karibikinsel hei&#223;t, z&#228;hlt wahrlich nicht zu den Edeltropfen.\nIn dieser Zeit warf sich der afroamerikanische Fotograf Bruce W. Er erinnert an ein Fossil, das erahnen l&#228;sst, wie Seefahrern und Piraten Rum im 18. Alle Infos dazu findest du >> hier << Mittlerweile haben bereits rund 30.

Jahrhundert geschmeckt hat. Seine oft grobkörnigen, unscharfen Bilder sind Schnappschüsse einer schrillen, lauten, coolen Ära, Zeitdokumente und Erinnerungen an einige der größten Musiker und Sängerinnen aller Zeiten. 'Es gab etliche Bereiche, die man eins zu eins in den Originalzustand zurückversetzen konnte. Jeder Tropfen birgt Nostalgie, schickt die Sinne in die Vergangenheit.\nJahr f&#252;r Jahr wird Rum popul&#228;rer, doch was die Wenigsten wissen: Rum ist nicht gleich Rum! Will man den Unterschied zwischen industriell hergestelltem Rum und dem alkoholhaltigeren Original aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft verstehen, empfiehlt sich eine Reise in den Nordosten der Karibikinsel Grenada. Talamons Talent liegt im Einfangen der Persönlichkeit hinter dem Star, und dieses Buch ist der Beweis – eine faszinierende, nostalgische Fundgrube. An jene Quelle, wo rhum agricole auf traditionell-landwirtschaftliche Weise produziert wird, mit den gleichen Mitteln wie vor &#252;ber 230 Jahren. Dann fanden wir in der hintersten Ecke im Lager ein Stück von dieser Musterung, anhand dessen wir das Muster nachgießen konnten', sagt Shetler. Alles in Handarbeit. berichtete bereits vor wenigen Tagen exklusiv.

\nRum-Produktion wie vor hundert JahrenDie Zeitreise f&#252;hrt nach La Poterie, eine winzige Ortschaft im Schatten eines m&#228;chtigen, von dichtem Urwald ges&#228;umten Vulkankraters. Tief hinein in meterhohe Zuckerrohrfelder, aus denen die roten D&#228;cher der Rivers-Brennerei in den Himmel ragen. Davon gab es nur mehr Schwarz-Weiß-Fotos, die keine Rückschlüsse auf die farbliche Gestaltung dieser Lampen zuließen.Hier empf&#228;ngt die Besucher das breite Grinsen von Withfield Lyons, dessen Z&#228;hne in der glei&#223;enden Karibiksonne wei&#223; strahlen. &#39;Willkommen am Ursprung&#39;, sagt der Grenader.\nKein Eingangsschild, das darauf hinweist, welchen Ort, welches Zeitalter der Besucher betritt.'\nBitte nur originalWozu diese akribische Akkuratesse? Das Bundesdenkmalamt schreibt vor, den Originalzustand möglichst genau herzustellen, bei der Renovierung des Gartenbaukinos gab es eine eigene Referentin, mit der jeder einzelne Renovierungsschritt abgestimmt wurde. Außerdem wird mit.

Rostige Ger&#228;te, die an eine Epoche erinnern, als Mensch und Tier im Einklang technische Wunder schufen. Raue, meterdicke Steinmauern, von Salz und Wind angefressen – was davon &#252;brig blieb, &#252;berzog eine Kruste aus Ru&#223; und D&#228;mpfen g&#228;renden Zuckerrohrsaftes. Dazwischen zeugen einzig bunte Shirts, Kappen und Turnschuhe der Mitarbeiter von der Moderne. 'Das Denkmalamt wollte die Renovierung statt der Neugestaltung, und der Boden sieht nun zwar benutzt aus, ist aber wieder ohne Schrammen. Egal, ob an der alten M&#252;hle, in der das Zuckerrohr gepresst wird, am h&#246;lzernen Handwagen, der mit den Resten der gewalzten Stangen gef&#252;llt ist, am Ofen, der mit ebendiesen beheizt wird, oder an den wuchtigen Kupfert&#246;pfen, in denen der gewonnene Saft zu Sirup aufgekocht wird, bevor er in tiefen G&#228;rtanks zu Alkohol fermentiert: Flei&#223;ige M&#228;nner, die t&#228;glich jene Zeitmaschine anwerfen, deren Technik nicht &#252;ber die Funktion von Rad, Feuer, Hebelkraft und anderen Naturgesetzen hinausgeht, &#252;ber deren Ergebnis sie aufgrund des musealen Charakters immer wieder aufs Neue staunen.\n&#220;ber dem Anwesen liegt eine Duftwolke aus Meersalz und vergorenem Fruchtzucker.

S&#252;&#223; und schwer riecht die Luft, wie fauliges Holz. 'Anfangs überlegten wird noch, die 736 Sitze umfassende Originalbestuhlung nachzubauen, aber das hätte jeden finanziellen Rahmen bei weitem gesprengt', so Shetler. &#220;bert&#252;ncht wird der Geruch nur von Withfield Lyons frischem Aftershave. &#39;Mittlerweile habe ich jeglichen Geruchssinn verloren&#39;, witzelt er, der den Gro&#223;teil seiner dreiundvierzig Lebensjahre in der Brennerei verbracht hat.\nVon Kindesbeinen anAls Kind schon trug er seinen Eltern regelm&#228;&#223;ig das Mittagessen in die Destillerie: Eint&#246;pfe aus Bohnen, Brotfrucht, Spinat und Kokosmilch. In Kombination mit den 383 nun auf LED umgerüsteten Glühbirnen im Saal ergibt sich das Bild eines gediegenen Großsaalkinos, das auch Gemütlichkeit ausstrahlt. Lag der riesige Apparat am Nachmittag still, tollte er mit Freunden auf dem Grundst&#252;ck herum.

Zu seinem Job in der Brennerei kam er sp&#228;ter durch Zufall. Seine Verlobte, die selbst bei Rivers arbeitete, empfahl ihn f&#252;r eine ausgeschriebene Stelle. 'Es wurde buchstäblich jede Leitung neu verlegt, denn die Technik und die Kabel stammten teilweise noch aus dem Eröffnungsjahr 1960', erzählt Shetler. Lyons z&#246;gerte, ging der Zuk&#252;nftigen zuliebe aber hin. Mit seinem Wissen &#252;ber die Produktionsstationen &#252;berzeugte er nach wenigen Minuten. Das war 2001, seitdem k&#252;mmert er sich bei seinen Touren um Touristen und Delegationen aus aller Welt, die bevorzugt die wei&#223;en Str&#228;nde im S&#252;dwesten der Insel aufsuchen – und nur f&#252;r die Brennerei das h&#252;gelige Hinterland Grenadas durchqueren.\nGut verstecktAuch der charakteristische rote Vorhang vor der Leinwand wurde abgenommen und gewaschen, und zwar in Europas größter Waschmaschine (die sich tatsächlich in Wien befindet).

Auch wenn Lyons blind &#252;ber das Gel&#228;nde f&#252;hren kann, r&#252;hrt er Rivers und anderen Alkohol nicht an. Seine Mutter starb vor f&#252;nf Jahren an den Folgen jahrzehntelangen Alkoholkonsums.\nEinst war Rivers das Getr&#228;nk der Zuckerrohrschneider wie auch Lyons’ Eltern, also jenen M&#228;nnern und Frauen Grenadas, die den Rohstoff f&#252;r diese hochprozentige Substanz ernteten, schnitten und entbl&#228;tterten. Deshalb ist die neue Bar ein Stück größer und entspricht nicht ganz dem Original', so Shetler, für den es im Zuge der Renovierung durchaus auch den einen oder anderen Gänsehaut-Moment gegeben hat: 'Auf der Galerie kam beim Abbruch einer Rigipswand plötzlich eine zweite Wand zum Vorschein, die gänzlich mit dem offensichtlich eigens dafür angefertigten Filmplakat zu ‚Spartacus‘ bezogen war', sagt Shetler. Heute ist der Rum auf der ganzen Insel beliebter denn je, wird bei lautstarken Calypso-Musik-Partys ebenso ausgeschenkt wie in den unz&#228;hligen Rum-Shops, die &#252;ber ganz Grenada verstreut sind. &#39;Vielleicht hat er nicht den besten Geschmack oder den besten Geruch&#39;, sagt Lyons, &#39;aber definitiv die besten Nachwirkungen – n&#228;mlich gar keine.

&#39; Denn Rivers sei – trotz seines &#252;ber achtzig Prozent hohen Alkoholgehalts – nat&#252;rlich und organisch, ein Produkt, das nicht gepanscht wird und daher keinen Brummsch&#228;del verursacht. Das teilweise sehr stark verschmutzte Sujet ist nun nicht zur Gänze freigelegt, aber an einer gut erhaltenen Stelle hat man in der neuen Wand einen Guckkasten installiert, der den Blick darauf freigibt. Anders als andere Rumsorten...' Das hat auch damit zu tun, dass ein Teil des Budgets aus einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion lukriert werden konnte.\nVom Fusel zum Kultgetr&#228;nkAls billiger Partydrink mit &#252;blem Kater und als Spirituose, die nicht ernst genommen werden kann, war Rum die l&#228;ngste Zeit in Verruf.

Allen voran Bacardi, der weltgr&#246;&#223;te Rumproduzent, sorgte daf&#252;r, da er seinem Getr&#228;nk jeden Geschmack entzog, um es leichter mischen zu k&#246;nnen. Das lie&#223; nicht nur die Menschheit in dem falschen Glauben, dass Rum wirklich so schmecke, es erschwerte anderen Produzenten, ihr Erzeugnis ernsthaft anzubringen.000 Euro.\nSeit 2010 aber gibt es einen wiederkehrenden Hype um die Zuckerrohr-Spirituose, ausgel&#246;st durch amerikanische und britische Gastronomen, Barkeeper und Connaisseurs, die gemeinsam die Rum-Fahne hochhielten. Damals wurde mehr Rum in den USA konsumiert als je zuvor.\nSeitdem zelebriert die Welt wiederholt das &#39;Jahr des Rums&#39;.Jetzt erstrahlt das Kino in neuem, alten Glanz.

2017 &#252;berschritt der Absatz von Rum in Gro&#223;britannien erstmals die Marke von einer Milliarde Pfund. In den vergangenen zehn Jahren verdreifachten sich dort landesweit die Marken. Auch in &#214;sterreich nimmt die Zahl der heimischen Rum-Produktionen seit 2015 zu. Oktober wird das Gartenbau erstmals seit der Eröffnung wieder genauso aussehen wie damals. Dabei steht der gro&#223;e Moment erst aus, da das Getr&#228;nk gerade dabei ist, richtig im Premium-Sektor anzukommen. Vermutlich irgendwann zwischen 2022 und 2024, tippt Benjamin Jones – einer, der es wissen muss.

Als Direktor von Spiribam, einem amerikanischen Feinkost-Rum-Anbieter und Tochterunternehmen mehrerer karibischer Rumproduzenten, gilt Jones in der Spirituosenwelt als Autorit&#228;t. 'Der Glanz der frühen Tage dieses wunderbaren Hauses ist nun zurück. &#39;Die M&#246;glichkeit, dass Rum die Welt entz&#252;ndet, war in der Vergangenheit immer da, die Streichh&#246;lzer waren blo&#223; feucht. Nun gibt es mehr neugierige Konsumenten, Vielfalt und Qualit&#228;t am Markt, sodass Rum nichts mehr im Weg steht, zu explodieren.&#39;\nDer echte rhum agricoleIm tropisch-feuchten Grenada lassen diese Trend-Vorzeichen die Bewohner genauso kalt wie Jahreszahlen und die Zukunft im Allgemeinen. Oder Fakten: Ja, der Rum aus Barbados ist tats&#228;chlich &#228;lter als die Rivers-Brennerei.

&#39;Aber&#39;, sagt Withfield Lyons, &#39;unsere Nachbarn machen keinen rhum agricole, sondern rhum industriel.&#39;Rhum agricole, also landwirtschaftlich erzeugter Rum, entsteht aus gepresstem Zuckerrohr und macht nur drei Prozent des Weltmarktes aus. Rhum industriel hingegen wird aus Melasse gewonnen, einem Nebenprodukt aus der Zuckerrohrherstellung. Daraus resultiert jenes Getr&#228;nk, das wohl jeder kennt, der schon einmal in einer Bar war, sei es in Form von Havana Club, Bacardi oder Captain Morgan.\nDie 1785 erbaute Rivers-Brennerei gilt damit als &#228;lteste noch operierende Destillerie der Welt, die landwirtschaftlich erzeugten Rum herstellt.

Eine &#246;kologische Auszeichnung, die viele Grenader mit Stolz erf&#252;llt. Dabei ist die Entstehungsgeschichte gepr&#228;gt von Kolonialismus und Sklaverei.\nDass auf der Isle of Spice, der Gew&#252;rzinsel, beinahe jeder Samen gedeiht, den man in den vulkanischen Boden streut, erkannten auch die franz&#246;sischen Kolonialisten. Ende des 18. Jahrhunderts errichteten sie an Grenadas palmenges&#228;umter Nordostk&#252;ste eine Brennerei, wo sie mittels Sklavenarbeit stark alkoholhaltigen Rum herstellen lie&#223;en, um diesen nach &#220;bersee zu verschiffen.

Als Namenstr&#228;ger diente der nahegelegene Fluss, der einen Steinwurf entfernt in den Atlantik m&#252;ndet: Antoine.\nViel ist seitdem passiert auf der Gew&#252;rzinsel: Herrschaftswechsel, Sklavenaufst&#228;nde, Revolutionen, Invasionen und Naturkatastrophen. Auf dem &#252;ber 160 Hektar gro&#223;en Areal der Brennerei hingegen steht die Zeit still. &#39;Bis auf ein paar Pumpen und Plastikrohre ist alles noch wie fr&#252;her&#39;, sagt Lyons und zeigt das Herzst&#252;ck der Brennerei: ein sieben Meter hohes Wasserrad, das seit 1840 in Betrieb ist. Sein Treibstoff: ein umgeleiteter Seitenarm des Flusses Antoine.

Drei Truckladungen Zuckerrohr werden am Ende eines jeden Tages von den Mahltrommeln ausgequetscht, 120 Gallonen Rum, rund 450 Liter, produziert sein.\nDavon verkauft Rivers jede einzelne Flasche – vom gesch&#228;ftlichen Standpunkt her ein Riesenerfolg. Von Export kann keine Rede sein. &#39;Damit decken wir nicht einmal den lokalen Bedarf&#39;, sagt Lyons, dessen Heimatland mit Platz 13 eine der h&#246;chsten Alkoholkonsumraten der Welt aufweist. &#39;Mehr geht einfach nicht.

Unser Rum entsteht in Handarbeit. Ein Markenzeichen, das man kaum woanders findet.&#39;\nHandarbeitAm Ende der Produktionskette sitzt Veronica Augustine McSween, klebt Etiketten auf die leeren Flaschen und bef&#252;llt diese mit dem klaren Fl&#252;ssig-Gold. Jede einzeln. Rund f&#252;nfhundert Flaschen t&#228;glich, f&#252;nf Tage die Woche, seit 38 Jahren.

In Grenada hat wohl fast jeder der einhunderttausend Bewohner schon einmal Rivers getrunken, den McSween zuvor beklebt und abgef&#252;llt hat. Die Stimme der 63-J&#228;hrigen bricht beim Reden, ihr Unterleib ist kreisrund, sie tut sich schwer aufzustehen. &#39;Die Knie&#39;, klagt sie, wirkt, als w&#228;re sie in ihren Stuhl hineingewachsen. Nur einmal verlie&#223; sie ihn wirklich, vor einem Jahr ging sie in Pension. &#39;Aber die Chefin bat mich, zur&#252;ckzukehren.

&#39; Seitdem etikettiert und f&#252;llt McSween wieder f&#252;r Rivers. Sie ist die l&#228;ngstdienende Mitarbeiterin. Viel ver&#228;ndert hat sich in den letzten vier Jahrzehnten nicht. Etliche Kollegen und Manager hat sie kommen und gehen sehen, sonst ist alles gleich geblieben: &#39;Wir schneiden noch immer das Zuckerrohr wie fr&#252;her mit der Machete.&#39;\nWie jeder andere Mitarbeiter ist auch McSween &#252;ber Familienbande zu Rivers gesto&#223;en.

Mutter, Vater, Bruder und Onkel arbeiteten einst hier, nun sind es ihre S&#246;hne, die Zuckerrohr schneiden. McSweens Ehemann k&#252;mmert sich um das Erhitzen der Tanks, die den acht Tage fermentierten Zuckerrohrsaft destillieren. F&#252;r Rivers k&#246;nnte die Bezeichnung &#39;Familienbetrieb&#39; kaum treffender sein. Achtzig Mitarbeiter z&#228;hlt die Brennerei heute, f&#252;nfzig davon auf den Feldern, drei&#223;ig in der Brennerei selbst. Der Gro&#223;teil von ihnen stammt aus der Umgebung.

&#39;W&#252;rden wir auf Maschinen umstellen, w&#228;re La Poterie arbeits- und mittellos&#39;, sagt Withfield Lyons.\nDarum bleibt die Tradition bei Rivers, wie sie ist. &#39;Das ist unser Erbe&#39;, sagt er, &#39;mit all seinen Nachteilen.&#39; Etwa wenn ein Teil kaputtgeht, wie im Juni vor zwei Jahren die Drehvorrichtung der M&#252;hle. Ersatzteile gibt es schon lange nicht mehr, sie m&#252;ssen in Feinarbeit nachgebaut werden.

Niemand auf Grenada kann das, also wird ein Schmied auf der Nachbarinsel Trinidad beauftragt. &#39;Das dauert dann schon ein paar Wochen&#39;, sagt Lyons. Eine Zeit, in der nicht produziert wird. Aber um Zeit sorgt sich in Grenada zum Gl&#252;ck niemand.\n .