Elite, Hartmann

Elite, Hartmann

Wie Eliten die Demokratie gefährden

Soziologe Michael Hartmann über das Versagen der Eliten und den Trend, aus einfachen Verhältnissen zu kommen.

26.09.2019 11:35:00

Interview: Sich zur Elite zu bekennen, ist unpopulär geworden. Soziales Tiefstapeln ist angesagt. Und: Elite n gefährden die Demokratie, befindet Soziologe Michael Hartmann . Warum? Das erzählte er JudithBelfkih

Soziologe Michael Hartmann über das Versagen der Elite n und den Trend, aus einfachen Verhältnissen zu kommen.

"Wiener Zeitung": Elite ist zum beliebten Schimpfwort geworden, zum Sündenbock gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Wie kam es dazu?Michael Hartmann: Nicht nur im deutschsprachigen Raum hat es damit zu tun, dass in den vergangenen Jahrzehnten durch das, was man als neoliberale Politik charakterisiert, - und diese wurde von Eliten betrieben -, dass sich dadurch in allen westlichen Industriegesellschaften die gesellschaftlichen Unterschiede, vor allem was Einkommen und Vermögen angeht, deutlich vergrößert haben. Die Eliten werden damit in Verbindung gebracht. Heute assoziieren Teile der Bevölkerung mit Elite: Dass sind die, die dafür gesorgt haben, dass es uns schlechter geht - und ihnen besser. Die Zahlen für Deutschland sind da eindeutig: In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es für das untere Fünftel Reallohnverluste von etwa zehn Prozent, für das obere Fünftel ein Plus von 16 Prozent. Die größten Zuwächse gab es dabei ganz oben.

Gastro-Öffnung: Mit drei Regeln wieder zum Wirt Corona: Bereits 10.000 Todesopfer in Österreich Haimbuchner nimmt seine Amtsgeschäfte wieder wahr

Michael Hartmann, geboren 1952 lehrte Soziologie an der TU Darmstadt mit Schwerpunkt Eliten-, Management- und Hochschulforschung im internationalen Vergleich. Zuletzt erschienen:"Abgehoben. Wie die Eliten unsere Demokratie gefährden". Zu diesem Thema spricht er auch beim Philosophicum Lech.

Die politische Elite macht also Politik für die Elite?Elite ist etwas verkürzt, das sind ja nur ein paar Tausend. Aber man kann sagen: Die Eliten, die mehrheitlich aus den oberen vier, fünf Prozent stammen, machen im Wesentlichen eine Politik, von der diese oberen vier, fünf Prozent profitieren. headtopics.com

Haben die Rechtspopulisten also Recht mit ihrer Kritik am Establishment?Der Vorwurf hat einen realen Kern. Allerdings wenn man sich etwa Trump ansieht, Salvini oder auch die FPÖ: Wenn diese Parteien oder Personen dann an der Macht sind, machen sie finanzpolitisch nichts anderes als bisher geschehen ist. Sie setzen den Kurs fort, zum Teil steigern sie ihn noch.

Trumps Steuerpolitik wendet sich nicht gerade gegen Milliardäre...Sie begünstigt sie extrem. Das ist überall dasselbe Bild. Rechtspopulisten machen überall dort weiter, wo ihre Vorgänger aufgehört haben. Aber sie positionieren sich erst einmal öffentlich gegen das Establishment - damit werden die vergangenen Jahrzehnte in Verbindung gebracht. Daran ist auch Hilary Clinton gescheitert, konkret an der Liberalisierung der Finanzmärkte, die ihr Mann Bill in den USA durchgesetzt hat. Wenn es diesen realen Kern in der Kritik der Rechtspopulisten nicht gäbe, würde das Eliten-Bashing ja ins Leere laufen. Rechte Positionen sind ja nicht neu. Die NPD in Deutschland etwa hatte in den 70er und 80er Jahren keine Chance, weil es keinen realen Kern für ihre Kritik am Bestehenden gab.

Wer sind diese europäischen Eliten, von denen wir hier reden?Das sind klassisch definiert Personen, die gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich gestalten. Für Deutschland sind das etwa 4000 Menschen, mit einem harten Kern von 1000 Personen. Für Österreich würde ich sagen, dass es etwa ein Viertel davon ist, also 1000 Menschen. Es ist also ein sehr überschaubarer Kreis.

Umfasst dieser Personenkreis eine politische Elite, eine wirtschaftliche oder eine intellektuelle?Es gibt Eliten in verschiedenen Bereichen, zentral davon sind vier. Die politische und wirtschaftliche fällt jedem sofort ein. Dazu kommen die juristische Elite - an ein Urteil des Verfassungsgerichtes müssen sich schließlich auch Politiker und Konzernchefs halten. Diese Justizelite hat schon großen Einfluss. Und dann gibt es noch die am wenigsten bekannte Elite: die Verwaltungselite. Hohe Verwaltungsbeamte haben im Gesetzgebungsverfahren viel Einfluss, der wird nur selten wahrgenommen. Denn wenn die Gesetze auf den Tisch kommen, sieht es aus als hätte die Politik sie gemacht. Vor allem Gesetze, die nicht so spektakulär sind, aber große Auswirkungen haben, die werden in den Verwaltungen vorbereitet und zum Teil auch dort initiiert. Dann gibt es eine Elite, die man medial sehr stark wahrnimmt: die Medienelite. Deren Wirksamkeit - es ist ja oft von der vierten Gewalt im Staat die Rede - wird jedoch überschätzt. Sie lebt davon, dass sie in der Öffentlichkeit Wirkung erzeugt. Es ist also eine indirekte Macht, die Medien haben. headtopics.com

Für Maximilian (1) gab es keine Rettung mehr Proteste in Russland: Machtlos auf der Straße Baummord: Zierkirschen gefällt, zersägt, entsorgt!

Hat sich der Einfluss der Medien durch die Digitalisierung verändert?Jede Partei ist heute schließlich auf Sozialen Kanälen aktiv. Parteien hatten immer eigene Medien, die sie für ihre Inhalte genutzt haben, Partei- oder Gewerkschaftszeitungen etwa. Der Einfluss von Medien hat sich nicht verändert. Es sind die Mechanismen, die sich verändert haben. Medien sind immer ein Indikator: Wenn sich politisch die Verhältnisse deutlich verändern, dann spielen Medien eine größere Rolle. Aber dass die Digitalisierung hier alles verändert hat, da bin ich zurückhaltend.

Bekennen sich die der Elite zugeordneten Menschen selbst auch zu dieser?Das ist unterschiedlich. Generell gilt im deutschsprachigen Raum: Menschen versuchen, ihre Herkunft so tief wie möglich anzusiedeln. Da sagt etwa einer der drei höchsten Repräsentanten eines großen Fernsehsenders, sein Vater wäre Beamter bei der Polizei gewesen. Wenn man nachhakt, kommt man drauf, er war Polizeipräsident. Da gibt es viele vergleichbare Beispiele, wo die eigene Herkunft tiefgestapelt wird, weil man Nähe zur Bevölkerung zeigen will. Das gilt besonders für Politik und Medien, aber auch für die Wirtschaft. Es wird immer schwieriger, herauszufinden, aus welchen Verhältnissen hohe Manager kommen.

Ihrer Analyse nach wird die Kluft zwischen Eliten und Bevölkerung immer größer. Soll dieses Tiefstapeln das kompensieren?Es ist ein Versuch. Früher gab es keine Scheu, etwa Väter in exponierten Positionen anzugeben. In Frankreich ist das nach wie vor der Fall. Die französische Elite weiß um ihre Abgehobenheit und steht dazu. Aber in Deutschland wie auch in den USA versucht man, die eigene Herkunft möglichst tief zu hängen. Entgegen der realen Entwicklung. Eliten werden sozial exklusiver, aber ihre öffentliche Präsentation versucht, genau das Gegenteil zu suggerieren. Jeder, der die Chance sieht, sich als aus einfachen Verhältnissen kommend zu charakterisieren, tut das. Bei der Recherche sind diese Familien dann oft klassische gehobene Mittelschicht, wo die Eltern etwa Lehrer sind. Oder es ist jemand, der durch persönliche Schicksalsschläge für kurze Zeit in einer prekären Situation war. Über Sebastian Kurz etwa liest man immer wieder, sein Vater war arbeitslos. Ich war auch arbeitslos. Wenn meine Kinder das angeben würden, wäre das eine richtige, aber keine zutreffende Charakterisierung. Das finden Sie ganz häufig. Das ist eine Reaktion darauf, dass die reale Entwicklung das Gegenteil zeigen würde. Um den Vorwurf zu entkräften, sich immer weiter von der Bevölkerung zu entfernen, tut man so, als wäre man im Grunde in Armut groß geworden oder in ganz einfachen Verhältnissen - was für die meisten einfach nicht stimmt.

Woran lässt sich das Auseinanderdriften der Eliten und der Bevölkerung festmachen?Zum Beispiel an den Einkommen in großen Konzernen, genauer am Verhältnis der Managergehälter zu denen der Belegschaft. Bei den DAX-Konzernen zeigt sich: Bis in die 90er Jahre haben die Vorstände etwa das 14-Fache der Mitarbeiter verdient. Inzwischen ist es das 54-Fache. Die Kluft hat sich also fast vervierfacht. headtopics.com

Warum ist das passiert?In den 90er Jahren hat man gemerkt, dass in den USA enorme Gehälter für Manager gezahlt wurden. Gleichzeitig hat sich in dieser Zeit die Auffassung durchzusetzen begonnen, der Markt regelt alles. Ausgangspunkt war die Fusion von Chrysler und Daimler. Da verdiente der Vize aus den USA plötzlich das Sechsfache des deutschen Vorstandschefs. Das wurde angeglichen auf US-Niveau und hat sich auf andere Branchen ausgeweitet. Das war einfach eine Gelegenheit, die man genutzt hat.

Diese finanzielle Kluft macht Eliten sozial weniger durchlässig. Wird man in die Elite hineingeboren? Weiterlesen: Wiener Zeitung »

Wie Edward Snowden sein Smartphone einrichten würde - derStandard.at

Wie ein Einkaufszentrum gekittet werden sollNach langem Zaudern könnte die Verordnung für Seiersberg demnächst beschlossen werden.

Severin Groebner: 'Darling, es schaut nur so aus, wie es ist'Der Exilösterreicher Severin Groebner stellt mit seinem neuen Kabarettprogramm „Gut möglich' ein paar schwarze Zukunftsoptionen zur Wahl. Aber etwas anderes zuerst: sammeln Sie Bonusmeilen?

Cup gegen Salzburg: Wie Rapid in der Spur bleiben will - derStandard.at

Polizei-Panne: Wie ein Urlauber zum Flugzeugentführer wurdeEin Libanese ist als seit 1985 gesuchter Terrorist in Griechenland festgenommen worden. Nun stellte sich heraus: Er ist unbescholten. Manche übertreiben es, genauso wie sie gegen alle ,die gegen links sind einen Nazi sehen , derweil sind Sie selber die größten Nazi Verbrecher wie es bei den roten ist , wer Geschichte kennt weiß es .

Wie viele Strache-Skandale verträgt die FPÖ noch?Es sind Schlagzeilen, auf die FPÖ-Chef Norbert Hofer wohl gut und gerne verzichten könnte - so kurz vor der Wahl. Die Spesenaffäre rund um den ... die fpö wird das schon aushalten, deren wähler interessiert sowas nicht im geringsten, solange 'irgendwos gegn de auslända' gemacht wird sind die zufrieden und wählen weiter. für österreich wirds halt langsam extrem peinlich so eine partei zu haben. Das kommt jetzt natürlich alles vor der Wahl 😉 Aber trotzdem sind nicht alle von der FPÖ schlecht! Meine Stimme geht an die FPÖ 👍 +1