Was Nawalny mit dem Gulag zu tun hat

Um zu verstehen, warum das offizielle Russland sich im Fall des mit Nowitschok vergifteten Mannes so verhält, wie es sich verhält, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Die Parallele ist verblüffend.

23.12.2020 15:31:00

Um zu verstehen, warum das offizielle Russland sich im Fall des mit Nowitschok vergifteten Mannes so verhält, wie es sich verhält, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Die Parallele ist verblüffend.

Um zu verstehen, warum das offizielle Russland sich im Fall des mit Nowitschok vergifteten Mannes so verhält, wie es sich verhält, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Die Parallele ist verblüffend.

Ein Blick in die Geschichte klärt darüber auf. Es gibt nämlich eine verblüffende Parallele zwischen der russischen Gegenwart und der Rangordnung in den Sowjet-Gulags: Der Kriminelle steht da wie dort höher als der politische Gegner. In seinen Memoiren erzählt etwa der unter Stalin 20 Jahre lang inhaftierte Schriftsteller Warlam Schalamow, dass den politischen Gefangenen in den Lagern, den Gulags, die unterste Stufe zukam, so wie sie auch im gesamten Staatssystem als die größten Gefährder des Staates galten. Sie waren rechtlose Paria, sie zu töten galt eher als ehrenhaft denn als kriminell. Die wegen tatsächlicher Schwerkriminalität Inhaftierten hingegen nahmen den obersten Platz ein, waren von den Aufsehern gefürchtet und paktierten mit diesen. Politische Gefangene mussten ihnen dienen – bis hin zur Vergewaltigung. Diese Sowjetpraxis setzte sich nach Stalin fort und machte die berüchtigten Verbrecherbosse groß, die auch nach der Wende vielfach straflos und mächtig im Land weiter agierten. In der Mafia, in der Organisierten Kriminalität.

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