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Oberösterreich, Alfred Gusenbauer

Ungewisse Zukunft für 2300 Arbeiter bei MAN Steyr

„Aus dem Bund hören wir leider nicht sehr viel“: Die ungewisse Zukunft der 2300 Jobs bei MAN Steyr

12.03.2021 11:30:00

„Aus dem Bund hören wir leider nicht sehr viel“: Die ungewisse Zukunft der 2300 Jobs bei MAN Steyr

Eines steht offenbar fest: Es gibt keine Zukunft für die 2300 Mitarbeiter im Werk Steyr mit dem Lkw-Hersteller MAN, die Deutschen wollen verkaufen. ...

Eines steht offenbar fest: Es gibt keine Zukunft für die 2300 Mitarbeiter im Werk Steyr mit dem Lkw-Hersteller MAN, die Deutschen wollen verkaufen. Trotz gewisser Risiken hat Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf mit seinen russischen Partnern die besten Karten. Konkurrenz bekommt er von einer oberösterreichischen Gruppe.

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Artikel teilen0DruckenWolf hat mit den MAN-Eigentümern bereits einen Vorvertrag („Letter of Intent“) abgeschlossen, doch es spießt sich bei den Bedingungen. Da geht es zum Beispiel darum, wie viele Mitarbeiter zu welchen Kosten übernommen werden sollen.

Unklar, was künftig in Steyr produziert wirdWas genau danach am Standort Steyr produziert wird, ist aufgrund einer Vertraulichkeitsvereinbarung nicht bekannt. Doch es soll mit dem größten russischen Autobauer GAZ (40.000 Beschäftigte) zusammengearbeitet werden. Sigi Wolf führt diesen Konzern seit einigen Jahren und hält acht Prozent der Anteile selber. headtopics.com

Die Belegschaftsvertreter und andere Politiker kämpfen für ein Zukunftskonzept für MAN in Steyr.(Bild: Markus Wenzel)Mehrheitseigentümer (mit 65 Prozent) ist allerdings der Putin-nahe Oligarch Oleg Deripaska (er ist auch an der österreichischen Strabag minderheitsbeteiligt). Gegen ihn gibt es US-Sanktionen. Um diese zu beenden, muss Deripaska die Mehrheit an GAZ bis 2022 abgeben. Daher tritt auch Wolf bei Steyr offiziell als Käufer auf.

Doch es ist klar, dass geplant ist, am Standort Autoteile in Zusammenarbeit mit den Russen zu produzieren, was manchen als wirtschaftspolitisch heikel erscheint. Pikanterie am Rande: Der VW-Konzern, zu dem auch die MAN-Mutter gehört, hat seit Jahren eine Kooperation mit GAZ und lässt in Russland Autos für den dortigen Markt herstellen.

Zweiter Interessent hat nur AußenseiterchancenDer zweite Interessent hat derzeit nur Außenseiterchancen: Die Beraterfirma Sprenger-Gerstbauer und die Anwaltskanzlei Lansky/Ganzger haben ein Konzept für ein „Green Mobility Center“ in Oberösterreich entwickelt, mit dem Ziel, ein führender Standort für E-Mobility in Europa zu werden. Der Linzer Unternehmer Karl Egger (Kunststofffirma Kekelit), der von Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer beraten wird, ist einer der Proponenten. Daneben soll es noch andere geben. Um mit Wolf & Co. um den Standort Steyr mitrittern zu können, wird man wohl noch mehrere kapitalkräftige Industrielle brauchen.

Stolz führt Erich Schwarz durch die Produktionshalle: „Niemand kann das besser als wir - und letztlich auch nicht billiger.“(Bild: Markus Wenzel)Interview: „Aus dem Bund hören wir leider nicht sehr viel“MAN-Betriebsrat Erich Schwarz über die brutale Auseinandersetzung mit dem Management des Werks, seine Gemütslage und Bundespolitiker, von denen man gar nichts hört. headtopics.com

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„Krone“:Herr Schwarz, wie ist der Stand der Verhandlungen?Erich Schwarz:Leider mussten wir sie - ich sage jetzt nicht abbrechen - aber vertagen. Es gab keine Unterschrift und keine Zusage. Weil einfach zu viele offene Punkte da sind. Deshalb wollen wir nächste Woche noch Gespräche mit der Investmentgruppe führen, die das Werk übernehmen könnte.

Ist das mit dem Vorstand akkordiert?Wir halten unsere Gesprächsbasis aufrecht, obwohl es schwierig ist. Denn eines ist klar: Wenn das Werk geschlossen werden sollte, dann ist das die Schuld des Vorstands. Man kann nicht ein Haus anzünden und sich dann aufregen, dass die Feuerwehr nicht gut gearbeitet hat, wenn das Haus abbrennt. So funktioniert es nicht! Wir haben den Einsparungsmaßnahmen im guten Glauben zugestimmt, dass das Werk erhalten wird. Und nicht, dass es den Vorstand plötzlich nicht mehr interessiert, was abgemacht war.

Aber auch der Vorstand hat ein Sanierungskonzept.Erstellt von einer Beraterfirma, und kein einziger der Belegschaft war involviert! Das Motto lautet: Friss oder stirb!Erich Schwarz(Bild: Markus Wenzel)Welchen Eindruck haben Sie von Siegfried Wolf?Sein Konzept erscheint mir schlüssig, seine Partner allerdings machen uns skeptisch. Wir wissen nicht, wie ein Herr Deripaska langfristig agieren wird, da ja die Russland-Sanktionen nur heuer von Tisch sind und immer wieder aufs Neue aufgeschoben oder endgültig aufgehoben, aber es könnte auch passieren, dass sanktioniert wird. Hier ist auch eine Unsicherheit gegeben! Die Belegschaft soll nicht im nächsten Jahr ein Déjà-vu erleben, immerhin haben wir als österreichischer Staat die EU Verordnungen mitzutragen - und hier ist auch die Politik gefordert!

Fühlen Sie sich von der Politik genügend unterstützt?Von der oberösterreichischen Landespolitik mit Ausnahme der FPÖ zu hundert Prozent. Aus dem Bund hören wir leider nicht sehr viel.Was heißt das?Weder Bundeskanzler noch der neue Arbeitsminister haben sich bis jetzt eingeschaltet. Die müssen aufpassen, dass sie zu den Corona-Arbeitslosen nicht bald 5000 MAN-Arbeitslose dazubekommen! Lediglich die SPÖ-Chefin erkundigt sich ständig und bietet ihre Hilfe an. Einzig die Gewerkschaften PRO GE, GPA und unser ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian kämpfen mit uns! headtopics.com

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