'Testen und impfen': Lockdown-Kosten für Wirtschaft 'ein ausgewachsener Elefantenbulle'

Österreichs Wirtschaft wird heuer nur schwach wachsen: Selbst bei einer Öffnung von Gastronomie und Beherbergern ab Mitte April sind laut Wifo nicht mehr als 2,3 Prozent möglich, bei erneutem vierwöchigen Lockdown nur 1,5 Prozent.

26.03.2021 17:16:00

Österreichs Wirtschaft wird heuer nur schwach wachsen: Selbst bei einer Öffnung von Gastronomie und Beherbergern ab Mitte April sind laut Wifo nicht mehr als 2,3 Prozent möglich, bei erneutem vierwöchigen Lockdown nur 1,5 Prozent.

Österreichs Wirtschaft wird heuer nur schwach wachsen: Selbst bei einer Öffnung von Gastronomie und Beherbergern ab Mitte April sind laut Wifo nicht mehr als 2,3 Prozent möglich, bei erneutem vierwöchigen Lockdown nur 1,5 Prozent.

© APA/GEORG HOCHMUTH"Testen und Impfen können gar nicht so teuer sein, dass es nicht billiger ist als eine Verlängerung dieser wirtschaftlichen Situation": Der Appell von Wifo-Chef Christoph Badelt anlässlich der Präsentation der jüngsten Konjunkturprognose war nicht zu überhören."Der Schlüssel zur Lösung der wirtschaftlichen Krise liegt in der Gesundheitspolitik. Bevor die Pandemie im Zaum ist, kann es keinen Aufschwung geben."

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Wie sich die heimische Wirtschaft heuer und im nächsten Jahr entwickeln wird, hängt folglich stark von vom weiteren Verlaufder Maßnahmen im Kampf gegendie Pandemie ab:Zwischen Schließungen und Öffnungen zeichnen die Wirtschaftsforscher des Wifo zwei Szenarien.

"Schwung im Frühjahr"Beim - unwahrscheinlichen - Öffnungszenarioohne neuerliche Verschärfungen oder Lockdowns und einer schrittweisen Aufhebung bestehender Beschränkungen, käme Österreichs Wirtschaft schon im Frühjahr in Schwung. headtopics.com

Wifo-Chef Christoph Badelt sieht in diesem Fall ein BIP-Wachstum von 2,3 Prozent im Jahr 2021 und von 4,3 Prozent im Jahr 2022.Sollten allerdings, und in diese Richtung deuten derzeit wegen steigender Inzidenzen alle Signale,die Wirtschaft in einen strengen vierwöchigen Lockdown müssen, verzögert sich die Erholung der heimischen Wirtschaft weiter:

Das Wirtschaftswachstum würde bescheidene 1,5 Prozent betragen, im Folgejahr 4,7 Prozent, da durch die verzögerte Erholung das Wachstum 2022 entsprechend kräftiger ausfallen würde. DasBruttoinlandsprodukt würde gegenüber dem Öffnungsszenario um drei Milliarden Euro sinken.

"Das ist ein ausgewachsener Elefantenbulle und nicht nur ein Babyelefant", so Badelt. Erst Ende 2022/Anfang 2023 werde Österreichs Wirtschaft wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.Das ist ein ausgewachsener Elefantenbulle und nicht nur ein Babyelefant

Christoph Badelt"Ein soziales Mysterium"Also: Je massiver die Lockdown-Maßnahmen, desto stärker die Einbremsung der Wirtschaft. Wobei für Badelt es"schon ein soziales Mysterium" ist, warum etwa die Schweiz trotz ähnlicher oder teils höherer Infektionszahlen mit geringeren Einschränkungen auskommen konnte. headtopics.com

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Zuversichtlicher als das Wifozeigt sich das Institut für Höhere Studien (IHS), das für heuerein Wachstum von 2,6 Prozenterwartet. Jede Woche Lockdown aber würde Österreich400 bis 800 Millionen EuroanWirtschaftsleistungkosten. Vier Wochen Lockdown würde das Wirtschaftswachstum auf 2,0 Prozent senken, so Michael Reiter, Prognoseverantwortlicher am IHS.

Bei breiter Durchimpfung der Bevölkerung könnte es heuer im zweiten Halbjahr bereits ein kräftiges Wachstum geben.Heuer bis März dürfte die heimische Wirtschaft laut IHS um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft sein.

Wifo-Chef Christoph BadeltFoto © APA/HANS PUNZInsgesamt sei die Wirtschaft aber"sehr gut aufgestellt",so Reiter, um"relativ schnell zu solidem und dauerhaftem Wachstum zurückzukehren". Die"gute Investitionssituation der Betriebe und der recht gute finanzielle Polster der Haushalte" gäben Anlass zu Optimismus. Auch der Welthandel entwickle sich – außerhalb der EU - ebenfalls sehr positiv, so Reiter.

Inflation steigt auf 1,8 ProzentVerhalten bleibt in Österreich laut Prognose der Inflationsdruck:Aufgrund eines Anstiegs der Rohstoffpreise nehmen die Verbraucherpreise 2021 und 2022 um jeweils 1,8 Prozent zu - etwas unter dem von der EZB angestrebten Ziel von rund 2 Prozent. headtopics.com

Längere Belastung am ArbeitsmarktWenig davon zu spüren bekommt die Problemzone Arbeitsmarkt.Die Beschäftigung dürfte zwar deutlich steigen, dies gehe jedoch laut Wifo-Prognose nur zum Teil auf die Einstellung Arbeitsloser zurück

. In beiden Wifo-Szenarien sind mehr als 400.000 Menschen arbeitslos oder in Schulungen.Die Sockelarbeitslosigkeit und Zahl an Langzeitarbeitlosen wächst:"Ein soziales und ökonomisches Problem", warnt Badelt. Er rät zu Prävention, Qualifizierung, Bildungsinitiativen und einer"unideologischen Diskussion von direkten Beschäftigungsprojekten" wie die Aktion 20.000 oder 40.000.

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Kurzarbeit werde man länger brauchen, sie müsse aber nach Branchen differenziert werden.Weiter Defizit, aber gegenüber 2020 verbessertDeutlich unter Druck bleibt das der Staatshaushalt,auch 2022 wird es ein kräftiges Minus geben: Hauptverantwortlich dafür sind die Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Private: Durch die Erholung der Konjunktur verringert sich der Finanzierungssaldo laut Öffnungsszenario von -8,9 Prozent (2020) auf -7,1 Prozent (2021) bzw. -3,7 Prozent (2022) des BIP, laut Lockdownszenario auf -7,7 Prozent bzw. -4 Prozent.

Das IHS sieht die Prognose-Risiken weiter als hochan - wegen der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie. Anhaltend hohe Infektionszahlen, etwa durch eine stockende Impf-Ausrollung oder ein Überhandnehmen infektiöserer Virusmutationen würden die Erholung verzögern.

Ein weiteres Risiko sieht man im hohen Niveau an"Zwangs- und Vorsichtssparen". IHS-Experte Helmut Hofer geht freilich davon aus, dass ein großer Teil davon erzwungenes Sparen ist.Reiseverkehr kommt nur nach und nach in SchwungNur langsam erholen werde sich der Tourismus:

In Folge der behördlichen COVID-19-Maßnahmen fiel die touristische Wintersaison beinahe vollständig aus. Die Reiseverkehrsexporte und die Wertschöpfung im Bereich Gastronomie und Beherbergung dürften2021 nach einem drastischen Rückgang im Vorjahr neuerlich sinken.

Auch im Sommer wird der Tourismus nur langsam in Schwung kommen.Für 2022 ist hingegen aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus mit kräftigen Zuwächsen zu rechnen.Impffortschritte in den USA treiben WeltwirtschaftDie Erholung der Weltwirtschaft wird derzeit von den USA und Asien getrieben.

Der größere Fortschritt bei der Durchimpfung der Bevölkerung in den USA trägt dazu bei, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigt.In den europäischen Länderndürfte die Konjunktur erst im Sommer in Schwung kommen.

Zurück nach Österreich:Die Industrie- und Baukonjunktur erweisen sich weiterhin als robust. Die Herstellung von Waren wird im Prognosezeitraum – anders als im Frühjahr 2020 – kaum von den behördlichen Einschränkungen im Inland betroffen sein.

Die Wertschöpfung wuchs zu Jahresende 2020zwar nicht mehr so kräftig wie noch im Sommer, hatte jedoch bereits fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Eine neuerliche Schließung würde bewirken, dass der Konsum in diesem Jahr deutlich schwächer zunimmt.

Stärkster Einbruch seit 1930er JahrenIn Österreich hat die Coronapandemie voriges Jahr mit den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung"den stärksten Einbruch der Weltwirtschaft seit den 1930er Jahren verursacht",erinnert das IHS: Das reale BIP ist 2020 um 6,6 Prozent abgesackt. Stark rückläufig waren etwa die Aus- und Einfuhren mit -10,4 bzw. -10,2 Prozent. Vor allem der Reiseverkehr litt unter der Pandemie. Nach der kräftigen Erholung im Sommer brach die Wirtschaftsleistung wegen des neuerlichen Lockdowns im Schlussquartal wieder ein - sie lag um 2,7 Prozent unter dem Vorquartal und um 5,9 Prozent unter dem Vorjahresquartal.

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