Sturm-Legende Osim wird 80: 'Wenn sie verlieren, bin ich schuld'

Einer der erfolgreichsten Trainer Österreichs aller Zeiten hat heute Geburtstag!

06.05.2021 10:21:00

Einer der erfolgreichsten Trainer Österreichs aller Zeiten hat heute Geburtstag!

Ivicia Osim ist einer der erfolgreichsten Trainer Österreichs. Sturm Graz führte er zu ungeahnten Erfolgen. Heute wird er 80 Jahre alt.

Im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur sehnt Osim sich nach dem Fußballplatz."Ich möchte wieder Sturm-Spiele besuchen. Wenn sie dann verlieren, bin ich schuld", bekundet er etwas abergläubisch. Die aktuelle Mannschaft findet er gut."Sturm bedeutet große Erwartungen. Aber eine Mannschaft braucht Zeit, um eine Mannschaft zu sein. Sturm ist Sturm."

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Das magische DreieckErfolg bedeutete für Osim stets mehr als die Anzahl der Trophäen im Schrank."Erfolgreich ist eine Mannschaft, wenn sie etwas bewegt, nicht aufgrund ihrer Pokale." Angeleitet vom Offensiv-Apostel glänzte Sturm mit mutigem Kombinationsfußball, Prunkstück der Mannschaft war das"magische Dreieck" mit Ivica Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayr, das von Osim alle Freiheiten erhielt und dies in der Hoch-Zeit Ende der 1990er-Jahre mit spektakulären Partien am laufenden Band dankte.

© Bild: FREMD / Diener GeorgWenn damals das Stadion in Liebenau vor Enthusiasmus bebte, hielt sich Osim locker-lässig, beinahe desinteressiert an seiner Straßenbahn-Halteschlaufe fest, die über der Trainerbank montiert war. Mit nobler, fast an Verleugnung grenzender Zurückhaltung relativierte er Erfolg um Erfolg - und sorgte dafür, dass seine Stars nach Höhenflügen verlässlich wieder am Boden der Tatsachen landeten. Dem Meister des Understatements kam selbst in vermeintlich großen Glücksmomenten bestenfalls ein verschmitztes Grinsen aus. headtopics.com

Auch damit war es zumeist vorbei, sobald sich Hannes Kartnig näherte, um seinen Trainer kameragerecht abzubusseln. Mit dem damaligen Klub-Präsident verband Osim eine Art Hass-Liebe, eine stürmische Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen, die 2002 endgültig zerbrach: Immer harscher ausfallende öffentliche Kritik von Kartnig veranlasste Osim, das Traineramt nach acht Jahren aufzugeben - es folgte eine Klage wegen Mobbings, Osim bekam schließlich 173.822 Euro zugesprochen. Das Geld spendete er für wohltätige Zwecke.

Von Sturm nach JapanSeine Trainerkarriere setzte Osim von 2002 bis 2006 beim japanischen Klub JEF United fort. Auch dort traf er auf eine erfolglose Truppe, die er zum Cupsieger machte. Die Asiaten vertrauten dem Gelehrten nur allzu gern 2006 den Teamchef-Posten an, doch kurz darauf ereilte ihn ein Schlaganfall - beim Fußballschauen vor dem Fernseher. Osim sollte seiner Heimat trotz allem noch einmal einen wertvollen Dienst erweisen. Als Chef eines"Normalisierungs-Komitees" gelang Osim 2011 die Aufhebung der internationalen Sperre des bosnischen Verbandes, drei Jahre später nahm das Land an der WM teil.

Dank seiner fußballerischen Fähigkeiten hatte sich Osim früh einen Namen gemacht. Er brillierte als technisch beschlagener Kicker bei Zeljeznicar Sarajevo, dem Eisenbahnerclub, und wurde jugoslawischer Teamspieler, ehe der Wechsel nach Frankreich erfolgte. Aufgrund seiner virtuosen Spielweise, seines tänzelnden Stils, bekam er den Spitznamen"Strauß von Zeljo" verpasst. Dazu sagt er heute:"Mit 1,90 Meter kann man nicht elegant sein. Ich habe viel gedribbelt und mich mit dem Ball amüsiert." Er konnte Bälle behaupten."Wenn es für die Mannschaft keine Lösung gab, hat es geheißen: Gebt den Ball zu Strauß!"

© Bild: APA/ERWIN SCHERIAU / ERWIN SCHERIAUWie gut Osim war, zeigt folgende Anekdote: Als 1969 der FC Santos mit Pele in Sarajevo gastierte, um gegen eine dortige Stadtauswahl zu spielen, war Osim verletzt. Als Pele davon Wind bekam, soll er gesagt haben:"Wenn Osim nicht spielt, spiele auch ich nicht." Osim wurde fitgespritzt und bekam nach dem 1:1 Peles Trikot. Nicht er, sondern Brasiliens Fußball-König soll Osim nach dem Trikottausch mit der Nummer 10 gefragt haben. headtopics.com

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Die Liebe für den FußballOsim wuchs in einer atheistischen Arbeiterfamilie in Sarajevo auf und heiratete eine Muslima, mit der er drei Kinder bekam. Aber die multikulturelle Idylle in der Olympiastadt von 1984 wurde immer brüchiger. Als das ehemalige Jugoslawien im Bürgerkrieg versank, war Osim Teamchef der Nationalmannschaft, die damals mit herausragenden Kickern gespickt war. Das Land wäre 1992 als Mitfavorit zur EM gefahren, wurde aufgrund der Kriegswirren aber ausgeschlossen.

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