„So wie mir kann das wirklich jedem passieren“

Niederösterreicher landete unschuldig vor Gericht: „So wie mir kann das wirklich jedem passieren“

21.01.2022 10:01:00

Niederösterreicher landete unschuldig vor Gericht: „So wie mir kann das wirklich jedem passieren“

Weil er sich zu sehr für ein E-Mountainbike interessiert hatte, ist ein Niederösterreicher vor Gericht gelandet. Einem Mitarbeiter war der Kunde ...

(Bild: Pichsakul/stock.adobe.com)Weil er sich zu sehr für ein E-Mountainbike interessiert hatte, ist ein Niederösterreicher vor Gericht gelandet. Einem Mitarbeiter war der Kunde verdächtig vorgekommen und hatte ihm die Polizei auf den Hals gehetzt. Trotz Freispruchs ist der Betroffene noch immer geschockt, wie er unschuldig auf die Anklagebank geraten konnte. „Wenn das mir passieren kann, dann kann das jedem passieren“, ist der 57-Jährige überzeugt. Ein paar Tausend Euro hat ihm sein unfreiwilliges Gastspiel vor dem Richter gekostet.

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Auch nach einem Freispruch bleibt man in einem Strafprozess auf einen Großteil der Anwaltskosten sitzen. (Bild: Pichsakul/stock.adobe.com) Weil er sich zu sehr für ein E-Mountainbike interessiert hatte, ist ein Niederösterreicher vor Gericht gelandet. Einem Mitarbeiter war der Kunde verdächtig vorgekommen und hatte ihm die Polizei auf den Hals gehetzt. Trotz Freispruchs ist der Betroffene noch immer geschockt, wie er unschuldig auf die Anklagebank geraten konnte. „Wenn das mir passieren kann, dann kann das jedem passieren“, ist der 57-Jährige überzeugt. Ein paar Tausend Euro hat ihm sein unfreiwilliges Gastspiel vor dem Richter gekostet. Artikel teilen Kommentare 0 Um ein Haar wäre der Plan des dreisten Einbrechers aufgegangen, der in einer lauen Sommernacht vergangenen Jahres in einem Gewerbegebiet nahe Tulln zuschlug. Nachdem er ein Loch ins Dach eines Sportgeschäfts geschnitten hatte, wollte er das darunter stehende teuren E-Mountainbike per Seil und Haken angeln. Es blieb schließlich beim Versuch, weil die Beute in einem Ausstellungspodest fest verankert war. Fotos Eifrige Mitarbeiter konnten der Polizei jedoch rasch einen Verdächtigen liefern: Ein Kunde, der sich im Laden mehrmals nach dem fast erbeuteten Rad erkundigt hatte, war nach der Tat wieder im Geschäft erschienen - um es zu kaufen. Die Unterschrift am Kaufvertrag war noch nicht trocken, als der 57-jährige Techniker noch am Parkplatz von der Polizei zur Einvernahme gebeten wurde. Franz K.* wurde erst in der Wachstube klar, dass die Ermittler ihn für einen Meister-Einbrecher hielten. „Die psychische Belastung ist ein Wahnsinn“ „Sie nahmen Fingerabdrücke, DNA, machten Fotos. Da habe ich eine Beamtin fragen müssen, ob ich bei der versteckten Kamera bin“, kann K. im Gespräch mit der „Krone“ fast schon wieder über die Vorfälle schmunzeln. Schließlich sind es nur Indizien, die vor Gericht gegen ihn aufliegen: Eine ähnliche Hand- und Schuhgröße sowie vermeintliches „Täterwissen“ reichten für einen Schuldspruch dann nicht aus. Der Angeklagte ist zwar erleichtert, aber: „Die psychische Belastung ist ein Wahnsinn, auch wenn man ja genau weiß, dass man unschuldig ist.“ In den Monaten vor der Verhandlung habe er jeden Tag daran denken müssen, was passiert, wenn er verurteilt wird. „Dann wär ich meine Firma losgewesen“, so der Techniker. Am Landesgericht St. Pölten fand die Verhandlung über den kuriosen Prozess statt. (Bild: A. Karnholz/stock.adobe.com) Mein einziger Fehler war: Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Franz K. nach seinem Freispruch Keine Entschuldigung, aber Geschäft erinnerte Unternehmer an Kaufvertrag „Ich habe den Eindruck, dass da ein junger Angestellter Sherlock Holmes spielen wollte. Bei meinem ersten Besuch im Geschäft hab ich schmutzigen Arbeitsklamotten getragen. Vielleicht dachte er deshalb, dass ich mir so ein teures E-Bike nicht leisten kann“, vermutet K. Er kann es immer noch nicht fassen, dass man ihn so eine Tat zutrauen konnte. Nach seinem Freispruch hatte er sich eine Entschuldigung von dem Sportgeschäft erwartet. „Die haben mich aber nur angerufen, um zu fragen, ob ich das E-Bike jetzt noch bei ihnen kaufen will“, ärgert sich der Niederösterreicher, der am Fuß des Wienerwalds wohnt. Philipp Slemr, Anwalt für Strafrecht (Bild: Kanzlei Mag. Philipp Slemr) Lesen Sie auch: