So alt wie das Wirtschaftsleben: Ein Abriss der Spekulation

Ein funktionierender Finanzmarkt ist ein System, von dem alle profitieren können solange nicht zu viele gegen die Regeln verstoßen.

10.05.2021 10:57:00

Ein funktionierender Finanzmarkt ist ein System, von dem alle profitieren können solange nicht zu viele gegen die Regeln verstoßen.

Ein funktionierender Finanzmarkt ist ein System, von dem alle profitieren können – solange nicht zu viele gegen die Regeln verstoßen.

Spekulantinnen kaufen bei vermeintlich zu niedrigen Preisen, gehen ganz bewusst vermeidbares Risiko ein und verzichten auf Diversifikation.Spekulation ist wohl so alt wie das Wirtschaftsleben. Seit dem Aufkommen von organisierten Börsen, an denen Waren und Aktien gehandelt werden, wurde der Markt für Spekulation immer größer. Der Mathematiker Louis Bachelier legte 1900 in seiner Doktorarbeit „Théorie de la spéculation“ den Grundstein für die Finanzmathematik. Darauf aufbauende Bewertungsmodelle verhalfen verschiedenen komplizierten Finanzprodukten zu einem großen Aufschwung. Durch den Einsatz von Computern hat sich schließlich das Wesen der Spekulation noch mal sehr verändert. In Zukunft wird die Digitalisierung eine noch viel wichtigere Rolle spielen. Neue Technologien können helfen, vielen Menschen den Zugang zum Finanzmarkt überhaupt erst möglich zu machen, und ihre wirtschaftlichen Lebensbedingungen zu verbessern.

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>>> Alle bisherigen BeiträgeSpekulation hat verschiedene mögliche positive und negative Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben. Eine Spekulantin die sich sehr genau mit verschiedenen Kennzahlen einer Firma beschäftigt, aber auch andere Informationen sammelt und analysiert, wird in solche Unternehmen oder Projekte investieren, die erfolgsversprechend sind. Wenn viele der gleichen Meinung sind, dann werden durch die verstärkte Nachfrage die Aktienpreise steigen. Umgekehrt werden die Preise sinken, wenn Spekulanten an Informationen kommen die zeigen, dass ein Unternehmen schlechte Aussichten hat, an einem Umweltdesaster schuld ist oder ein Mitarbeiteraufstand droht, und das Unternehmen möglicherweise deswegen viel zahlen muss und Verluste macht. headtopics.com

In einem liquiden Markt, wo viel gehandelt wird, spiegeln die Preise die zukünftigen Erwartungen der Marktteilnehmer wider und haben daher einen hohen Gehalt an Information. Das nützt anderen Investoren, die vielleicht nicht so viel Information gesammelt und analysiert haben. Sie können anhand der Preise leichter profitable und vielversprechende Geschäftsideen identifizieren. Das zu investierende Kapital wird dadurch eher in zukunftsfähige Projekte gelenkt. Auch Produzenten sehen anhand der Preise, in welchen Bereichen die Nachfrage größer als das Angebot ist, und können dort verstärkt produzieren. Spekulation unterstützt also die Preisbildung, und führt im optimalen Fall dazu, dass die Preise die wir sehen faire und richtige Preise sind, auf die sich jeder verlassen kann.

Da Spekulanten bereit sind Risiko zu übernehmen, können andere dieses Risiko abgeben. Dadurch wird es oft erst möglich, dass produziert wird. Das gilt für einen Sojabauern, der seine zukünftige Ernte heute schon zu einem Fixpreis verkauft und sich nur deswegen traut, wirklich anzubauen, aber genauso für eine Biotechnologiefirma, die durch große Investoren erst die Möglichkeit hat z.B. einen Impfstoff gegen Corona zu entwickeln.

Für die Wirtschaft oft von VorteilWenn die Ergebnisse der ersten Studien vielversprechend sind, und eventuell sogar eine Zulassung bevorsteht, bedeutet das oft auch große Gewinne für die beteiligten Investoren. In vielen Fällen ist aber ein so eingesetztes Risikokapital auch verloren, weil die Projekte anders laufen als erwartet. Insgesamt ist die Übernahme von Risiko durch Spekulanten und ihr Einsatz von Kapital für die Wirtschaft oft von Vorteil.

Spekulation kann aber auch negative Auswirkungen haben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn übermäßig viel Risiko eingegangen wird, das Risiko nicht verstanden wurde oder schwer beurteilbar ist, und noch schlimmer, wenn dabei Steuergeld in die Hand genommen wurde und dann große Verluste entstehen. Auch übermäßig hohe Spekulationsgewinne, vielleicht aufgrund von unfairen Handelsbedingungen, Insiderwissen oder irgendwelchen Absprachen, und Spekulationsblasen sind unerwünschte Effekte am Markt. headtopics.com

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Neben immer wieder angepassten Rahmenbedingungen und einem erleichterten Zugang zu Finanzmärkten hilft hier nur verlässliche und umfassende Information, sowie ein grundlegendes Verständnis der Zusammenhänge. Nur dann können alle richtige Entscheidungen treffen. Denn ein funktionierender Finanzmarkt ist ein Public Goods Spiel: ein System von dem alle profitieren können solange es nicht zu viele ausnützen und gegen die Regeln verstoßen.

Die AutorinHannelore De Silvaist Forscherin am Institute for Finance Banking und Insurance, und am Forschungsinstitut für Kryptoökonomie der WU Wien Weiterlesen: Die Presse »

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