Schrumpft der Großglockner, wenn der Meeresspiegel steigt?

In der Kartografie liegt allen Höhenangaben in Karten ein gemeinsamer Pegel zugrunde. Er sichert auch in der Klimakrise konstante Bezüge.

22.01.2022 19:37:00

In der Kartografie liegt allen Höhenangaben in Karten ein gemeinsamer Pegel zugrunde. Er sichert auch in der Klimakrise konstante Bezüge.

In der Kartografie liegt allen Höhenangaben in Karten ein gemeinsamer Pegel zugrunde. Er sichert auch in der Klimakrise konstante Bezüge.

Doch wird der Anstieg des Meeresspiegels auch auf Landkarten sichtbar? Beeinflusst er beispielsweise die offiziellen Höhenangaben für Berge? Und verlöre dann der Großglockner an Höhe? Kartograf Karel Kriz von der Universität Wien weiß, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt: „Der Anstieg des Meeresspiegels wird vorrangig durch das Abschmelzen der Gletscher an den Polen verursacht.“ Während der Anstieg des Meeresspiegels im 20. Jahrhundert im Schnitt bei 1–2 mm/Jahr gelegen ist, habe er in den vergangenen drei Jahrzehnten 2–3 mm/Jahr betragen. „Gleichzeitig tragen tektonische Kräfte zur Hebung der Berge bei, bei den Alpen sind das 1–2 mm/Jahr. Durch Erosion, die natürliche Abtragung von Boden und Gestein, verlieren sie permanent an Höhe.“

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Wer Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ gelesen hat, kennt das Lummerland-Lied von der „Insel mit zwei Bergen in dem tiefen, weiten Meer“ – und weiß, dass sich das Meer ständig verändert. Als das Buch 1960 erschien, war die Klimaerwärmung noch kein Thema. Inzwischen weiß jedes Kind vom Anstieg des Meeresspiegels, der manche Küstenregionen unbewohnbar machen wird. Doch wird der Anstieg des Meeresspiegels auch auf Landkarten sichtbar? Beeinflusst er beispielsweise die offiziellen Höhenangaben für Berge? Und verlöre dann der Großglockner an Höhe? Kartograf Karel Kriz von der Universität Wien weiß, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt: „Der Anstieg des Meeresspiegels wird vorrangig durch das Abschmelzen der Gletscher an den Polen verursacht.“ Während der Anstieg des Meeresspiegels im 20. Jahrhundert im Schnitt bei 1–2 mm/Jahr gelegen ist, habe er in den vergangenen drei Jahrzehnten 2–3 mm/Jahr betragen. „Gleichzeitig tragen tektonische Kräfte zur Hebung der Berge bei, bei den Alpen sind das 1–2 mm/Jahr. Durch Erosion, die natürliche Abtragung von Boden und Gestein, verlieren sie permanent an Höhe.“ Doch diese Veränderungen werden zunächst nicht auf Karten sichtbar: „Höhen, die in Karten angegeben werden, stützen sich auf einen zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegten Höhenbezugspunkt, den Pegel. So schlagen sich Schwankungen erst nach längerer Zeit und Neukalibrierung der Pegel in Messungen nieder.“ Außerdem werden diese in topografischen Karten erst in Größenordnungen von Metern registriert, fallen also aktuell noch nicht ins Gewicht. Spannend: Bei diesen Bezugspunkten gibt es durchaus Unterschiede. In Österreich wird kartografischen Messungen seit 1875 der Pegel von Triest zugrunde gelegt. In der Schweiz gilt seit 1902 der Pegel von Genf, in Deutschland der von Amsterdam, der beispielsweise 25 bis 30 Zentimeter höher ist als der von Triest. Zum „Das Wichtigste des Tages“ Newsletter Der einzigartige Journalismus der Presse. Jeden Tag. Überall.