Quito: Eine Stadt will hoch hinaus

Mehr als Weihrauch und Salsaklänge: Ecuadors Hauptstadt Quito putzt sich immer mehr heraus.

25.11.2021 17:12:00

Mehr als Weihrauch und Salsaklänge: Ecuadors Hauptstadt Quito putzt sich immer mehr heraus.

Mehr als Weihrauch und Salsaklänge: Ecuadors Hauptstadt Quito putzt sich immer mehr heraus.

Modern auf fast 3000 MeternBarock: Die Basilika San Francisco in der Unesco-geadelten Altstadt.Quito ist eine zutiefst katholische Stadt. Schlendert man durch die Straßen, in denen abends die Luft vom Smog der Autos blaugrau wabert, kommt man immer wieder an einer offenen Kirche vorbei, immer wieder wird gerade irgendwo eine Heilige Messe gefeiert, knien Gläubige in den Bänken. Fast jedes Quartier hat hier sein eigenes Gotteshaus.

Man vertraut auf Gott in Quito – aber in bestimmten Dingen geht man doch lieber auf Nummer sicher. In solchen Fällen hilft die Parfümerie Les Aromas in der Calle Sucre weiter. Sie hat Dutzende segensreicher Mittelchen im Angebot. Da gibt es Rasierwasser, die eine Aura von „Gesundheit, Geld und Glück“ verströmen. Eine Seife verspricht wiederum, ihren Benutzer zum unwiderstehlichen Eroberer zu machen, eine andere schützt gegen den dann zu erwartenden Neid.

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Die Tricks hat Señor Rivadeneira ein Leben lang geübt. Und er beherrscht sie auch mit 82 Jahren noch perfekt. Mit einer Schnur setzt er den hölzernen Kinderkreisel in Schwung, nimmt ihn vorsichtig rauf und lässt ihn dann rotieren: auf seiner Haube, auf einem Löffel im Mund, und schließlich auf der Spitze eines Kugelschreibers. Seit mehr als einem halben Jahrhundert betreibt Jorge Rivadaneira seine kleine Drechslerwerkstatt im Stadtteil San Roque. Neben den Kreiseln fertigt er Bilderrahmen, Schneidebretter und die reichverzierten Gestelle, in denen Los Niños, die Figuren der Jesuskinder, bei Prozessionen herumgetragen werden. Für die wiederum sind Rocío und Gonzalo Carrión zuständig. Jede Familie, die etwas auf sich hält, nennt eine der kleinen Statuen ihr eigen. Sie sind aus Holz, Gips, Keramik oder Alabaster, manchmal zwei- bis dreihundert Jahre alt und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die Farbe abblättert, ein Glasauge ausfällt oder ein Finger bricht. Das Ehepaar Carrión repariert den Schaden und sorgt dafür, dass der Beschützer der Familie wieder in frischem Glanz erstrahlt. Rund um die Altstadt stehen Bergriesen, viele vulkanischer Natur. (c) Getty Images/iStockphoto (Andrew Linscott) Man trifft viele solcher Originale im alten Kolonialviertel von Quito. Da ist Mercedes Vergada, die mit ihren ­80 Jahren immer noch auf einem Stuhl in der Calle Bolivar sitzt und gelbe Hauben, rosa Kleider und orange Jacken strickt – für Puppen. Der fröhliche Gabriel Chiluisa verkauft in seinem Antiquariat uralte Ratgeber, wie man Liebesbriefe schreibt oder es zum besten Verkäufer der Welt bringt. Und Ludmilla García, auch schon über 70, vertreibt in ihrem Musikgeschäft nicht nur die Platten des Duos Los Mellizas, ihrer beiden Brüder, sondern trägt auf Wunsch auch selbst gefühlvoll einen der alten Schlager vor. Modern auf fast 3000 Metern Quito ist für den Besucher manchmal wie ein kleines Wunderland. Eingezwängt zwischen zwei Bergketten liegt es auf etwa 2850 Metern Meereshöhe und erstreckt sich 60 Kilometer von Nord nach Süd und bis zu zehn Kilometer von Ost nach West. Vom Aussichtspunkt Panecillo aus sieht man, wie die Hauptstadt Ecuadors wie eine weiß-grau-gelbe Kruste weithin die Hügel überzieht. Bis zur Basilika reicht das koloniale Viertel mit seinen 26 Kirchen, dahinter steigen im Dunst die Hotel- und Bürotürme des modernen Viertels La Maris­cal hoch. Rund um die Plaza Foch reihen sich dort die Filialen von Subway und Juan Valdez Café, die Edelboutiquen und Mojito-Bars und Discos wie Q oder Varadero. Lässig und gestylt geht es dort zu, international und aufgedreht, selbstbewusst und verspielt. Das Panecillo selbst ist eine 30 Meter hohe Figur aus 7000 Aluminiumteilen, die 1975 eingeweiht wurde und die Jungfrau Maria mit Flügeln und einer Schlange an der Kette darstellt. In ihrem Inneren zeigen Figuren in lokaler Tracht die Stationen des Kreuzwegs, und Maria selbst erscheint in unterschiedlichen Rollen: als Schmerzensreiche, Friedensbringerin, Trösterin der Betrübten... Barock: Die Basilika San Francisco in der Unesco-geadelten Altstadt. Unsplash/Andres Medina. Quito ist eine zutiefst katholische Stadt. Schlendert man durch die Straßen, in denen abends die Luft vom Smog der Autos blaugrau wabert, kommt man immer wieder an einer offenen Kirche vorbei, immer wieder wird gerade irgendwo eine Heilige Messe gefeiert, knien Gläubige in den Bänken. Fast jedes Quartier hat hier sein eigenes Gotteshaus. Starker Volksglauben Am beliebtesten ist San Francisco, am spektakulärsten die Jesuitenkirche. In dem golden glitzernden Schmuckkästchen mit seinen Rundbögen und maurischen Ornamenten hat auch Marianita de Jesus ihre letzte Ruhe gefunden. Das fromme Mädchen lebte im 17. Jahrhundert und opferte sein Leben angeblich, um Quito von einer Serie von Erdstößen und einer anschließenden Epidemie zu befreien. Seitdem, so heißt es, könne Ecuador nie mehr an einer Naturkatas­trophe zugrunde gehen, sondern nur an der Korruption seiner Politiker. Man vertraut auf Gott in Quito – aber in bestimmten Dingen geht man doch lieber auf Nummer sicher. In solchen Fällen hilft die Parfümerie Les Aromas in der Calle Sucre weiter. Sie hat Dutzende segensreicher Mittelchen im Angebot. Da gibt es Rasierwasser, die eine Aura von „Gesundheit, Geld und Glück“ verströmen. Eine Seife verspricht wiederum, ihren Benutzer zum unwiderstehlichen Eroberer zu machen, eine andere schützt gegen den dann zu erwartenden Neid. Man vertraut auf Gott in Quito, aber in bestimmten Dingen geht man auf Nummer sicher. Andere setzen eher auf ihre eigene Kraft. Auf der palmenbestandenen Plaza Grande, die auch „Platz der toten Tauben“ heißt, weil überwiegend ältere Herren auf den Bänken dösen, erhebt sich der Regierungspalast. An diesem Morgen demonstrieren Ölarbeiter davor für bessere Löhne, gefolgt von einer Gruppe, die sich mit Plakaten gegen die „Lügen eines gewissen Señor Loma“ wendet. Nebenbei verteilt eine wortgewaltige Dame Flugblätter, die die Zusammenarbeit Ecuadors mit Kuba geißeln, und um zwölf gibt die Marine ein Platzkonzert. Mittendrin suchen halbwüchsige Schuhputzer nach Kunden, und Frauen mit großen Hüten verkaufen Orangen und Kaugummis für fünf Centavos. Quito hat sich während der letzten zehn Jahre enorm verändert. Das Heer der aufdringlichen Händler, das Touristen früher auf Schritt und Tritt folgte, wurde aus dem Zentrum verbannt. Uniformierte zahlreicher Sicherheitsdienste sind unterwegs. Auf den Märkten herrschen heute strenge hygienische Vorschriften, so dass man unbedenklich Säfte aus Aloe Vera, Alfalfa oder Heilkräutern probieren kann. Gegen Mittag drängen Angestellte und Studenten an die Stände, wo sie für umgerechnet zwei Dollar frischen Hühnereintopf oder einen Teller Fischsuppe bekommen. Devotionalien ohne Ende: In Quito wird man fündig. T ouristenviertel durch Verdrängung Restaurierte, halbvollendete und immer noch zerfallende historische Fassaden säumen die Straßen von Quito. Aus der Rotlichtmeile La Ronda hat man Prostitution und Kleinkriminalität in die ärmeren Viertel verbannt und mit viel Geld eine Art koloniale Touristenoase geschaffen – so scheint es. Denn noch fehlt den weißen Häusern mit den vorkragenden Dächern und den eisernen Balkonen die echte Patina. Unter der Woche scheint die älteste Straße der Stadt wie ausgestorben, nur ein paar Kinder hüpfen über die „Himmel und Hölle“-Markierungen am Boden. Die Restaurants haben neben der üblichen Dreieinigkeit aus „Corvina, Pollo, Empanadas – Seebarsch, Hendl, Pasteten“ auch Locro auf der Karte, die köstliche Erdäpfelsuppe, und wie in benachbarten Andenstaaten auch Cuy, Meerschweinchen vom Grill mit krustiger Schwarte. Aber die meisten sind noch geschlossen. Die Stadt ist abends in Bewegung, überall spielt Musik. (c) Markus Kirchgessner Ab Donnerstagabend aber scheint sich die Straße wieder zu regen in Musik und Lebenslust. Und man stellt überrascht fest, dass die Quiteños sie längst in Besitz genommen haben. Andenklänge und Salsarhythmen dringen von überall her: Ob der Mann mit den dicken Brillengläsern, der Langhaarige mit seinen trommelnden Kindern, der Melancholische, der am liebsten Pablo Milanés vorträgt – alle singen und spielen sie sich die Seele aus dem Leib. Polizisten in historischen Uniformen mit Säbeln paradieren durch die Menge, in Hauseingängen verkaufen Mädchen selbst gemachten Silberschmuck, und in den Bars tanzen die Menschen auf zwei Etagen. Lebendige Feierkultur Auch im offenen Innenhof des „Poncho de Barro“ sind alle Holztische besetzt. Es riecht nach Canelasso, dem alkoholgeschwängerten Zimttee. Der Kellner in roter Trainingshose schleppt unermüdlich „Empanadas de viento“ vorbei, aufgeblasene Fladen, die mit Käse gefüllt sind. Und auf der Bühne singt „El Gran Wilson“, der Mann für die großen Gefühle, von wahrer Liebe, frühem Leid und Einfach-nicht-vergessen-Können. Als der Nachbar, dem man der lauten Musik wegen nur einmal still zuprosten konnte, sich wortlos mit kräftigem Handschlag verabschiedet, hat der Besucher eines endgültig verstanden: Wer sich für sogenannte südamerikanische Lebensart begeistert – hier in Quito ist er am allerbesten Platz. Quito-Infos Anschauen: Seit 1978 ist die Altstadt von Quito Unesco-Kulturerbe. Schöne Plätze wie die Plaza San Francisco und de la Independencia, viele kleine Gassen und Märkte. Viel Barockes. La Mitad del Mundo: Der Äquator verläuft etwas außerhalb von Quito, Denkmal und großer Park. Basílica del Voto Nacional: wurde erst in den 1980ern fertig. Hinaufgondeln: Mit dem Telefériqo von der Altstadt hinaus auf rund 4000 Meter, zur Berg­station Cruz Loma. Wer dazu die Luft hat, kann zum Gipfel des Vulkans Pichincha auf 4700 Meter wandern. Unterkunft: Casa Gantogena, Stilvolles Relais-&-Châteaux-Hotel mitten in der Altstadt von Quito: www.casagangotena.com Infos: