Nach Bankskandalen: 'Da geht es nicht um die Weinverkostung'

Nach Bankskandalen: 'Da geht es nicht um die Weinverkostung'

11.03.2021 13:45:00

Nach Bankskandalen: 'Da geht es nicht um die Weinverkostung'

Angesichts von Wirecard und Commerzialbank fordern die FMA-Chefs kompetentere Aufsichtsräte und schnellere Wechsel von Wirtschaftsprüfern.

pocketDer KURIER sprach mit den Chefs der Finanzmarktaufsicht, Eduard Müller und Harald Ettl, aber auch über die Wirtschaftskrise im Gefolge von Corona. Für eine Entwarnung sei es viel zu früh, sagen sie.KURIER:Ob Wirecard oder Commerzialbank, immer nehmen Gläubiger und Kunden auch die Finanzaufsicht in die Pflicht. Erleben Sie das als ungerecht?

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Eduard Müller:Aus allen Skandalen und Krisen der Vergangenheit, denken Sie nur an die Finanzkrise 2009, wurden Lehren gezogen. Es kam etwa zur europäischen Bankenaufsicht, wie wir sie heute kennen. Es wurde der Scheinwerfer auf ausfallbedrohte Kredite und Kapitalpuffer gelenkt, und vieles mehr. Wirecard unterstand nicht der Aufsicht der FMA, aber auch aus Commerzialbank und Wirecard wird man Lehren ziehen. Die konkreten Fälle sind freilich vor allem Kriminalfälle.

Und da ist man machtlos?Helmut Ettl:Wenn Management und Eigentümer einer Bank kein Interesse haben, dass es der Bank gut geht, sondern die internen Kontrollkreise außer Kraft setzen und die Bank de facto ausrauben, dann ist es von außen sehr schwierig, das zu entdecken. Wir sind dafür da, die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Regeln zu prüfen, wie etwa das nötige Eigenkapital. Es steht aber nirgends, dass wir davon auszugehen haben, dass lauter Kriminelle in der Bank sind. Wenn das der Fall ist, ist das eine Sache, die bei den Strafverfolgungsbehörden angesiedelt ist. headtopics.com

Funktioniert das Zusammenspiel mit Aufsichtsräten und Wirtschaftsprüfern nicht?Ettl:Das kann man sicher nicht generalisieren. Aber bei den meisten Fällen der letzten 10, 20 Jahre stoßen wir immer wieder auf dieselben Probleme, etwa in der Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung. Wir fordern seit Jahren eine schnellere Rotation der Prüfer, damit sie nicht zu eng mit der Bank zusammenwachsen.

Müller:Ein Wechsel nur alle sieben Jahre und das mit Übergangsfristen von 20 Jahren ist zu wenig. Bei der Commerzialbank hätte nach Jahrzehnten der neue Wirtschaftsprüfer erst 2023 starten müssen.Stimmt also der Eindruck, dass uns alle paar Jahre ein Mega-Bankenskandal um die Ohren fliegt?

Ettl:Wir haben in Österreich weniger Bankskandale als in den meisten anderen Ländern. Nur man schaut sehr wenig über die Grenzen. Wenn dann doch einmal etwas passiert, wird man aufgerüttelt. Es gibt ja nicht nur kriminelle, sondern auch ökonomische Pleiten. Hier ist das österreichische Bankensystem sehr gut aufgestellt. Da ist seit der Finanzkrise keine Bank in Schwierigkeiten gekommen. Wir haben heute eine Kernkapitalausstattung von 16 Prozent und kommen von 4 bis 6 Prozent.

Was war die Hypo aus heutiger Sicht betrachtet?Ettl: Weiterlesen: KURIER »