Komplexität ist „wild und chaotisch“

Die Dynamik komplexer Systeme wird mit mathematischen Methoden erklärt. Dazu ist das Interesse für Zahlen und Netzwerke Grundvoraussetzung.

12.12.2020 02:00:00

Die Dynamik komplexer Systeme wird mit mathematischen Methoden erklärt. Dazu ist das Interesse für Zahlen und Netzwerke Grundvoraussetzung.

Die Dynamik komplexer Systeme wird mit mathematischen Methoden erklärt. Dazu ist das Interesse für Zahlen und Netzwerke Grundvoraussetzung.

Von Informatik bis MedizinDa es komplexe Systeme in vielen Bereichen gebe, könne man sich diesem Forschungsgebiet, laut Thurner, auch von verschiedenen Seiten her annähern – von der Medizin, der Biologie, der Chemie, der Physik oder der Mathematik und Informatik. „Komplexitätsforschung ist interdisziplinär“, sagt auch Guido Strunk, geschäftsführender Gesellschafter der Complexity Research. Dazulernen müssen Interessierte in jedem Fall: So müssen sich Mathematiker beziehungsweise Informatiker Fachwissen über die jeweiligen Systeme aneignen, um diese zu verstehen. „Nur über Mathematik Bescheid zu wissen reicht nicht“, weiß Thurner.

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Alle anderen wiederum müssten das entsprechende mathematische Wissen aufbauen. Angst vor Zahlen und Algebra sollte man daher keinesfalls haben, heißt es unisono. Schließlich müsse man dem Computer sagen, wie er nach Mustern suchen solle und was aus Daten herausgelesen werden könne. Doch nicht alles, was sich mit der Auswertung riesiger Datenmengen beschäftigt, ist komplex, Knackpunkt ist das Vorhandensein von Netzwerken beziehungsweise Systemen. „Versicherungsmathematik ist nicht komplex, weil es keine Netzwerke gibt. Moderne Seuchenausbreitungsmodelle beschäftigen sich hingegen mit Systemen und sind daher komplex“, beschreibt Thurner, der vor Kurzem neuerlich zum Forscher des Jahres gekürt wurde.

Von Ordnung verabschiedenVom Gedanken der Ordnung sollten sich angehende Komplexitätsforscher ebenfalls verabschieden, ist Komplexität laut Thurner doch „wild und chaotisch“. Strunk ergänzt: „Monokulturen und der One-Best-Way sind das Gegenteil von Komplexitätsforschung. Sie ist der Anstoß, um flexibel zu sein und neue Wege zu gehen.“ headtopics.com

Beide Experten registrieren derzeit ein steigendes Interesse am Thema. Ein eigenes Universitätsstudium „Komplexitätsforschung“ gibt es hierzulande allerdings noch nicht. „Die Angebote, es zu studieren und sich ausbilden zu lassen, sind erst im Werden“, sagt Strunk. Wer komplexen Systemen auf die Spur kommen will, muss somit Lehrpläne genau studieren. Einschlägige Lehrveranstaltungen gibt es beispielsweise für Studierende der Studienrichtungen Informatik, Angewandte Informatik und Technische Informatik an der TU Wien.

Auch beim Masterstudium Mathematics an der Uni Klagenfurt, beim Masterstudium Integriertes Risikomanagement an der FH Campus Wien sowie beim Masterstudium Medizinische Informatik der Medizinischen Universität Wien ist Komplexitätsforschung ein Thema. An der Med-Uni Wien gibt es darüber hinaus das Doktoratsstudium Medical Informatics, Biostatistics and Complex Systems.

Studien im Ausland und onlineMehr Angebote dazu gibt es bereits im Ausland. „In Spanien, England und den USA gibt es eigene Kurse zur Komplexitätsforschung“, berichten die beiden Experten. Auch das Santa Fe Institute (SFI) in New Mexiko, das bereits 1984 gegründet wurde, um in interdisziplinärer Grundlagenforschung eine Theorie komplexer adaptiver Systeme in Physik, Biologie, Technik und Sozialwissenschaften zu erarbeiten, bietet eine Reihe von Programmen an, um Interessierten komplexe Systeme näherzubringen. Das Angebot an Ausbildungen reicht von der seit rund 30 Jahren angebotenen Complex Systems Summer School über das zehn Wochen dauernde Undergraduate Complexity Research Program bis zu offenen Onlinekursen wie „Intro to Complexity“ und „Intro to Dynamical Systems and Chaos“.

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