Keine Angst vor Anglizismen

Keine Angst vor Anglizismen

11.04.2021 20:50:00

Keine Angst vor Anglizismen

Warum Lehnwörter für eine Sprache wichtig sind und wie sie die Kommunikation prägen, erzählt der Gründer des 'Anglizismus des Jahres' Anatol Stefanowitsch dem KURIER.

pocketJeder kennt sie. Manchen sind sie ein Dorn im Auge, für andere sind sie nicht wegzudenken. Anglizismen. Was im allgemeinen Verständnis oft als Jugendsprache gewertet wird, ist in Wahrheit aber gar keine. Denn Anglizismen gab es immer schon – und sie sind auch sehr wichtig für unsere Sprache, betont der deutsche Sprachwissenschafter Anatol Stefanowitsch. Vor elf Jahren gründete er die Initiative"Anglizismus des Jahres", um auf den positiven Beitrag der englischen Wörter aufmerksam zu machen. Im Gespräch mit dem KURIER verrät er, hinter welchen Wörtern unerwartet ein Anglizismus steckt, warum Lehnwörter sprachlich wichtig sind.

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KURIER: Welchen Anglizismus benutzen Sie denn am häufigsten?Anatol Stefanowitsch:Da sind wir wahrscheinlich gleich beim Lockdown, den wir dieses Jahr zum Anglizismus des Jahres gewählt haben. Es gibt aber auch viele andere Wörter, die schon so integriert in unseren Sprachgebrauch sind, dass sie mir wahrscheinlich gar nicht mehr als Lehnwörter auffallen – wie Event oder Setting. Sogar das Wort Keks ist ein eingedeutschter Anglizismus – vom Wort Cake. Vielleicht rede ich auch öfter von Keksen als vom Lockdown, das weiß ich nicht genau. (lacht)

© Bild: Bernd Wannenmacher/FU BerlinDer 1970 in Berlin geborene Sprachwissenschafter unterrichtet"Struktur des heutigen Englisch" an der Freien Universität Berlin. Stefanowitsch ist der Gründer der Initiative"Anglizismus des Jahres". Zu einem solchen wählten er und Kolleginnen und Kollegen unter anderem schon"Influencer","Blackfacing" und"Fake News".  headtopics.com

Wie wird ein Wort für den Anglizismus des Jahres ausgewählt?Ein Kriterium dabei ist, dass das Wort tatsächlich in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Unsere Jury aus Wissenschaftern sucht nach Wörtern, die die deutsche Sprache bereichert haben. Das Wort muss nicht unbedingt besonders schön sein, aber es soll eine kommunikative Lücke füllen und leistet so einen positiven Beitrag. Das trifft dieses Jahr alles bei Lockdown zu. Für so ein Bündel an neuen Maßnahmen gab es keinen Begriff. Aber nicht nur das, wir können unsere Sprache durch englische Lehnwörter auch spezifischer machen. 

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