Impfen? 'Weil Christen an einen Gott des Lebens glauben'

Der Umgang mit der Pandemie spaltet auch Religionsgemeinschaften. Wie können wir in der Krise zuversichtlich bleiben?

08.12.2021 12:09:00

Der Umgang mit der Pandemie spaltet auch Religionsgemeinschaften. Wie können wir in der Krise zuversichtlich bleiben?

Der Umgang mit der Pandemie spaltet auch Religionsgemeinschaften. Wie können wir in der Krise zuversichtlich bleiben?

Es gibt allerdings negative Dinge, die wir nicht übersehen können. Sie betonen ja selbst, dass es einen Unterschied zwischen naivem Optimismus und Zuversicht gibt.Es geht nicht darum, das Dunkle auszublenden! Jeder fühlt sich manchmal ängstlich und hilflos. Aber es gibt eine Negativneigung des Gehirns, die durch Studien bestätigt ist. Das Gehirn ist evolutionsbedingt gefahrensensibel, weshalb wir stärker auf das Negative als auf das positive Drumherum schauen. Wie man damit umgehen kann: Sich den Schwierigkeiten stellen, aber dabei das Gute nicht ausblenden. Und in Gesprächen nicht einfach nur rumsudern, sondern sich auch ermutigende Geschichten erzählen.

Sie schreiben auch über Ungeduld. Immer, wenn Politiker von persönlichen Eigenschaften sprechen, dann erlauben sie sich eine einzige schlechte: Ungeduld. So, als wäre das eine versteckte Tugend, denn sie steht dafür, etwas weiterbringen zu wollen. Bei Ihnen kommt die Ungeduld gar nicht so gut weg.

Geduld hat kein gutes Image. Geduldigen Menschen sagt man nach, sie würden mit angezogener Handbremse leben. Doch Ungeduld ist Gewalt auf der Ebene der Zeit. Als ob das Gras schneller wachsen würde, wenn man daran zieht. Ich lege ein Plädoyer für Geduld ab. Viele Entwicklungen und Wachstumsprozesse brauchen Zeit. Etwa, bis Liebeskummer oder Trauer vergehen. Oder jetzt in der Corona-Zeit. Dabei ist es sensationell, dass wir so schnell einen Impfstoff bekommen haben. headtopics.com

D: Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Nienburg in Flammen

Im Stephansdom wird geimpft. Ein Konfliktpotenzial für die Kirche?Man kann sich an drei Fingern ausrechnen, dass es da Konflikte gibt. Aber ich muss mich glücklicherweise nicht damit beschäftigen . Ich persönlich finde es großartig! Die außergewöhnlich hohe Impfquote zeigt, dass dieser Raum Vertrauen schafft und Menschen ermutigt. Und weil Christen an einen Gott des Lebens glauben, ist es wunderbar, wenn in einem Kirchenraum an Leib und Seele für den Menschen Sorge getragen wird.

Das Thema Impfung spaltet extrem. Wie kommen wir da raus?Es ist schrecklich, welche Sprachlosigkeit sich da auch in Familien auftut. Aber so groß der Graben auch scheint: Wenn wir es wagen, nicht mit zugeklapptem Visier am Anderen vorbeizugehen, dann kann es zu einem neuen Blickkontakt kommen. Helfen kann die Erinnerung, dass wir doch eigentlich einmal gut miteinander waren.

"Ungeduld ist Gewalt auf der Ebene der Zeit. Als ob das Gras schneller wachsen würde, wenn man daran zieht."© Bild: Kurier/Jeff MangioneMachen Sie sich Sorgen um unsere Gesellschaft?Ja!Viele, die sich gegen die Impfung aussprechen, argumentieren mit Freiheit. Ein Missverständnis?

Ärger über Kritik an Impfdemo in Praxis von Mediziner

Ja. Denn Freiheit wird zunehmend verstanden als „ich kann tun und lassen, was ich will“. Aber wir leben nicht wie Robinson Crusoe allein auf der Insel, sondern in sozialen Netzen. Mein Verhalten hat Auswirkungen auf andere. Freiheit heißt immer gemeinsame Freiheit. Sonst ist keiner mehr frei. Das bedeutet, ich muss schauen, welche Konsequenzen mein Verhalten für andere hat. headtopics.com

Apropos Konsequenzen: Manche sagen, wer nicht geimpft ist und schwer an Covid erkrankt, soll auf sein Bett auf der Intensivstation verzichten. Wie sehen Sie das?Wenn nicht mehr alle schwer Erkrankten auf der Intensivstation behandelt werden können, stehen Ärztinnen vor der fürchterlichen Frage, wer auf die Intensiv kommt und wer nicht. Das zentrale Entscheidungskriterium ist die Überlebenschance. Es wird also gefragt: Wie groß sind die Überlebenschancen der Personen, die um ein Intensivbett konkurrieren? Soziale Kriterien wie Geschlecht, Alter oder Weltanschauung dürfen in diesem Abwägen keine Rolle spielen. Die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, wird hier eingeordnet. Doch ich frage mich: Ist die Entscheidung gegen eine Impfung wirklich nur ein „soziales Merkmal“ oder nicht auch ein medizinischer Faktor? Denn Ungeimpfte, die an Corona erkranken, haben deutlich geringere Überlebenschancen. Könnte und sollte dieser Faktor nicht als ein Faktor unter anderen in die Priorisierung mit einbezogen werden? In dieser Frage bin ich mit meinem Nachdenken noch nicht am Ende.

Kommen wir beim Thema Freiheit mit dem Wort Nächstenliebe weiter?Man könnte auch bei dem noch Einfacheren ansetzen: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Konkret kann das bedeuten: Bring andere nicht in Gefahr, so wie auch du willst, dass sie dich nicht gefährden. Dieser ethische Grundsatz spricht aus meiner Sicht ganz klar dafür, sich impfen zu lassen, wenn es einem denn möglich ist.

Impfpflicht ab 1. Februar – für wen sie nicht gilt

„Ein riesiger Rückschritt“: Philosoph Bazon Brock zur GegenwartIst das vereinbar mit dem Beharren auf den individuellen Rechten?Im Wort „Beharren“ steckt, dass hier ein Teilaspekt von Freiheit absolut gesetzt wird: nämlich die individuelle Freiheit auf Kosten des Gemeinwohls. Doch wir leben gemeinsam mit anderen, und unser Verhalten hat Folgen für die anderen. Daher enden meine individuellen Rechte dort, wo ich andere möglicherweise schädige. Wenn ich mich grundsätzlich nicht impfen lassen will, trage ich durch das deutlich erhöhte Infektions- und Ansteckungsrisiko Verantwortung für die mögliche Schädigung anderer. Ich glaube, vor dreißig Jahren hätten sich die meisten Leute impfen lassen. Doch seither hat sich das gesellschaftliche Verständnis von Freiheit verengt.

Wie ist zu dieser Verengung des Freiheitsbegriffs gekommen?Gott sei Dank kam es in unserer Gesellschaft zu einem großen Freiheitsschub. Viele äußere Zwänge wurden abgeschüttelt. Man kann sich heute seinen Beruf aussuchen, seinen Familienstand, seinen Lebensentwurf. Und das ist etwas Großes! Doch heute müssen wir das Verständnis von Freiheit weiterführen. Freiheit heißt nicht bloß, frei von äußeren Zwängen zu sein. Freiheit bedeutet vor allem, dass ich frei bin, das zu leben, worauf es mir ankommt. Das erlebe ich auch als Ordensfrau so: Das ist jene Lebensform, in der ich am besten das leben kann, worauf es mir innerlich ankommt. Deshalb fühle ich mich frei. headtopics.com

Melanie Wolfers: „Zuversicht“. Verlag bene! 160 Seiten.14,95 Euro  © Bild: Bene VerlagHat Zuversicht auch mit Spiritualität zu tun?

Weiterlesen: KURIER »

Politiker sind eigentlich das virus Sie haben zuerst den Hass gegen Flüchtlinge gefördert und jetzt gegen Ungeimpfte. Sie können ohne Chaos nicht leben.

Eine Angelobung im Schatten der PandemieKarl Nehammer übernimmt die Geschäfte im Bundeskanzleramt und kündigt Dialogbereitschaft an. Das ist aber sehr nett von ihm … 😳

ÖVP - Van der Bellen: 'Entschlossen und gemeinsam' die Pandemie bekämpfenDas Vertrauen sei erschüttert worden, könne aber wieder hergestellt werden, sagte Bundespräsident Van der Bellen bei der Angelobung von Bundeskanzler Karl Nehammer und der neuen Regierung - Abtreten!

Gastkommentar - Vergessene Kinder in der PandemieDie psychische Belastung von Kindern ist derzeit enorm. Die psychische und psychiatrische Versorgung der jüngeren Bevölkerung werde weiter chronisch vernachlässigt, sagt Armin Kaser -

Kommentar: Karl Nehammer und der neue Stil der ÖVPDas Virus bleibt uns ein ständiger Begleiter. Die Politik und der neue Kanzler Karl Nehammer stellen sich darauf ein. Schon wieder neuer Stil? Bitte nicht.

ÖVP Wien: Der nächste RücktrittWiens türkise Landesgeschäftsführerin Bernadette Arnoldner geht in die Wirtschaft zurück. Klubchef Markus Wölbitsch hingegen bleibt.

Ein Höhepunkt der Unredlichkeit: Von FPÖ-Lügen in 'Im...Unwahrheit und Lüge, das ist ein weites Feld. Die Aussagen, die gestern im ORF diskutiert wurden, kann man aber zuordnen. FPÖ-Vertreterin Marlene Svazek lächelte dazu. Die Medien als Quelle der Unwahrheit und Lüge diskutieren über Unwahrheit und Lüge? Für BürgerInnen genügen die mediale Wahrheiten schon lange nicht mehr, die wollen auch Röntgenbilder von Medien sehen.