Gratis PCR-Tests: Post-Gewerkschaft veröffentlichte Zugangscode

'Alles gurgelt': Post-Gewerkschaft veröffentlichte Zugangscode

19.03.2021 21:05:00

'Alles gurgelt': Post-Gewerkschaft veröffentlichte Zugangscode

Nach KURIER-Recherchen wurde der Artikel mittlerweile offline genommen.

pocket"Die Post bringt allen was" - so lautet einer der Slogans des mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen Logistikdienstleisters. In den letzten Tagen brachte die Post sogar etwas mehr, als sie sollte, und zwar kostenlose PCR-Corona-Tests für den Heimgebrauch. Und erweiterte die Geschichte dieser Tests damit zur Posse.

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Bereits am Donnerstag herrschte um die"Alles gurgelt"-Testschiene der Stadt Wien einige Verwirrung. An sich befindet sich das Projekt noch in der Pilotphase, in der es nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiger Unternehmen offensteht.

Der KURIER erfuhr jedoch von mehreren Fällen, in denen auch Privatpersonen auf Anfrage der für die Abholung der Tests nötige Barcode zugesandt wurde.Über kurz oder lang sollen auch alle Wienerinnen und Wiener in der Bipa-Filiale ihrer Wahl wöchentlich kostenlos bis zu acht dieser PCR-Gurgeltests holen können - doch eben noch nicht jetzt. headtopics.com

Fehler behobenIm Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hieß es dazu auf Anfrage, es müsse sich um einen Irrtum des Kundendienstes handeln, der die Anfragen beantwortet. Man werde die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des zuständigen Projektpartners noch einmal darauf hinweisen, dass sich die Aktion nach wie vor in der Pilotphase befindet.

Das dürfte auch bereits geschehen sein. Auf den am Donnerstagnachmittag erfolgten Registrierungsversuch des KURIER folgte Freitagmittag die vertröstende Antwort: Man bitte"um etwas Geduld, bis die Aktion Alles-Gurgelt öffentlich kommuniziert wird und auch Privatpersonen mitmachen können".

Pincode veröffentlichtFür besonders Findige gab es jedoch seit 9. März eine noch viel einfachere Variante, an den begehrten Barcode zu kommen. An diesem Tag veröffentlichte nämlich die Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) der Post auf ihrer Webseite einen Artikel, in dem bekannt gegeben wurde, dass das Unternehmen an der Pilotphase von"Alles gurgelt" teilnimmt."Somit können alle Mitarbeiter*innen, die in Wien wohnen oder arbeiten, an diesem Programm teilnehmen", hieß es in dem Text.

Es folgte eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man zu den Tests kommt und wie sie ablaufen. Ein gutes Service für die Post-Belegschaft - und für alle anderen. Denn die FSG Post schrieb auch den für die Anforderung der Tests nötigen Pincode in den Artikel. headtopics.com

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© Bild: Screenshot FSG PostSomit konnten alle, die die Seite fanden, ebenfalls von diesem Service profitieren und sich die Tests abholen. Eine weitere Überprüfung der Betriebszugehörigkeit findet nämlich nicht statt, wie auch der KURIER bestätigen konnte. Nicht einmal eine Stunde nach der Anforderung landete der Barcode auf dem Smartphone und auch die Abholung der Tests in der nächsten Bipa-Filiale gelang problemlos.

Doch warum veröffentlichte die rote Post-Gewerkschaft den Pincode überhaupt?Man habe lediglich einen Artikel der Post AG übernommen und auf der eigenen Webseite veröffentlicht, hieß es dort auf Anfrage."Interne Information"

"Das ist eine rein interne Information, die niemals dafür gedacht war, veröffentlicht zu werden", sagte hingegen ein Post-Sprecher. Man werde sofort mit der Gewerkschaft Kontakt aufnehmen, damit der Pincode so bald wie möglich von der Webseite genommen wird.

Das geschah auch umgehend: Nur eine halbe Stunde nach dem Telefonat hatte die FSG Post den Artikel bereits offline genommen.Schwungvoller HandelUngeachtet dessen zeigt sich die Beliebtheit der Tests auch auf dem Online-Marktplatz"willhaben.at". Zahlreiche Testkits werden dort zu Preisen zwischen 5 und 35 Euro zum Kauf angeboten. Zwar verkauft Bipa als Logistikpartner von"Alles gurgelt" die Tests auch bereits jetzt um 59 Euro an alle Interessierten. Dass sich jemand einen PCR-Test um diesen Preis kauft, um ihn dann um deutlich weniger Geld umgehend im Internet weiterzuverkaufen, erscheint jedoch wenig logisch. headtopics.com

Viel wahrscheinlicher ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen, die an der Pilotphase teilnehmen, Gratis-Tests holen und sich mit den Online-Verkauf etwas dazuverdienen. Weiterlesen: KURIER »