Ein DDR-Gigant und die „Rache des Papstes“

Ein DDR-Gigant und die Rache des Papstes

02.10.2019 21:01:00

Ein DDR-Gigant und die Rache des Papstes

Vor 50 Jahren ist in Ostberlin Deutschlands höchstes Bauwerk eröffnet worden. Eine Zeitzeugin blickt von oben zurück auf die DDR.

Ein gesamtdeutsches Wahrzeichen Heute vor 50 Jahren wurde der Turm mit der markanten silberglänzenden Kugel eröffnet. Der historische Witz dabei ist, dass sich Ost und West 31 Jahre später just am selben Tag, dem 3. Oktober, wiedervereinigen sollten. Wobei dieser Zufall schon Sinn ergibt. Weil der Turm zu jenen wenigen DDR-Bauten zählt, die man im Westen lieb gewonnen hat, ganz anders als den angrenzenden Alexanderplatz, „den Alex“, der allenfalls rustikalen Charme versprüht und den viele Ur-Berliner eher meiden. Aber der Turm, dieser Gigant im Berliner Stadtbild, der mit seiner Gesamthöhe von 368 Metern den Wiener Donauturm um 116 Meter überragt, ist gesamtdeutsches Wahrzeichen geworden. Beim Berliner weckt er auch Heimatgefühle: Taucht das höchste deutsche Bauwerk am Horizont auf, ist es nicht mehr weit nach Hause.

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Hinter den Fenstern der Aussichtsplattform breitet sich Berlin aus, das von oben viel grüner ist als Wien. Man sieht die Siegessäule oder die neue Synagoge. „Früher“, sagt Gerlach, gab es hier „Hostessen“, Frauen im „roten Jackett und weißen Rock“ die erklärten, was hinter der Scheibe zu sehen ist (den Job erledigen heute Tafeln). Es gab nur ein Problem. Man hatte hier oben einen freien, durch keine Mauer verstellten Blick auf den Klassenfeind. Erläuterten die Hostessen Sehenswürdigkeiten in Westberlin? „Das wurde ausgespart“, sagt Gerlach trocken.

Viele Mythen ranken sich um den Turm, zum Beispiel, dass ihn der Volksmund „Tele-Spargel“ nannte. Die DDR-Oberen sollen sich den Spitznamen zwar tatsächlich ausgedacht haben, aber er setzte sich nicht durch. Eine Anekdote ist wahr: An der Kugel spiegelt sich ein Kreuz in der Nachmittagssonne. Auf dem Monument des sozialistischen, gottlosen Ostberlins erschien also von Anfang an das Symbol der Christenheit. Von „der Rache des Papstes“ war die Rede. DDR-Staatschef Walter Ulbricht, der einst die Welt mit seinem Satz „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ genarrt hatte, soll dieses Lichtkreuz in Rage versetzt haben. headtopics.com

Der zentrale Standort nahe des „Alex“ war übrigens aus der Not geboren. Eigentlich wollten sie den Turm an den Stadtrand setzen. Bloß hätte das den Flugbetrieb gestört. Ulbricht sagte später, das Bauwerk symbolisiere „die gewaltigen Leistungen unseres werktätigen Volkes beim Aufbau des Sozialismus“. Wobei es tatsächlich weniger um Prahlerei ging, als darum, den Empfang von Farbfernsehen zu ermöglichen. Gerlach ist auf den Fernsehturm jedenfalls stolz. „War ja nun schon ein Prunkobjekt“, sagt sie.

Sie sitzt auf 207 Metern Höhe im sich drehenden Restaurant Sphere. Zur Eröffnung 1969 wurde hier auch Schildkrötensuppe serviert, was heute verboten wäre. Es gibt aber noch „Soljanka“, eine scharfe Suppe. Früher hatte man hier oben eine Stunde lang Zeit. Solang dauert eine Umdrehung. „Und wenn das rum war, musste man das Café verlassen. Dann kamen die nächsten.“

„Die DDR wäre zusammengebrochen“ Gerlach blickt gern zurück. Auch die Berliner Mauer hat sie „nie gestört“: „Wir hatten keine Verwandtschaft im Westen.“ Und einiges sei gut gewesen in der DDR. Die Ferienlager als Kind zum Beispiel. Drei Wochen für zwölf Ost-Mark! Oder die Kinderbetreuung. „Das kann sich heute keiner vorstellen, aber drei Monate nach der Geburt meines Sohnes habe ich wieder angefangen zu arbeiten.“

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