Der Neusiedler See ist hart im Nehmen

Ungarisches Wasser soll den See retten. Ein Blick in die Geschichte zeigt das Auf und Ab - nicht nur beim Pegelstand.

22.03.2021 16:30:00

Ungarisches Wasser soll den See retten. Ein Blick in die Geschichte zeigt das Auf und Ab - nicht nur beim Pegelstand:

Ungarisches Wasser soll den See retten. Ein Blick in die Geschichte zeigt das Auf und Ab - nicht nur beim Pegelstand.

Wie auch der ehemalige Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Jellasitz, der als Mitbegründer des Nationalparks einmal mehr einen dringenden Appell an die Verantwortlichen richtet: „Hände weg vom Neusiedler See und dem Nationalpark.“ Er befürchtet „erhebliche Kollateralschäden“ aufgrund der „unbekannten Nebenwirkungen“. Ab April will Jellasitz mit einem Podcast einen umfangreichen Informationsprozess starten. „Die Reaktionen auf unsere Initiative zum Schutz des Sees sind enorm, 380 Bürger haben bereits ihre aktive Unterstützung zugesagt“, betont er.

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WiderstandWie breit der Protest in der Region tatsächlich wird, bleibt jedoch abzuwarten. Bislang gab es zu den bereits seit Frühjahr 2020 bekannten Plänen des Landes nur vereinzelt kritische Stimmen von Umweltschützern. Der große Protest der Bevölkerung blieb bisher aus, die wirtschaftliche Abhängigkeit vom See dürfte wohl zu groß sein.

Spannend in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass ausgerechnet der Widerstand gegen ein Ende der 1960er-Jahre geplantes Projekt schlussendlich zur Gründung des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel im Jahr 1993 führte – die mittlerweile bereits legendäre Brücke über den Neusiedler See. Die Verbindung von Illmitz mit Mörbisch hätte den Seewinkel besser an das restliche Österreich anbinden sollen. 1971 wurde das Projekt beschlossen, musste dann aber aufgrund von starken Protesten wieder abgeblasen werden. headtopics.com

Der Pegelstand liegt derzeit knapp unter 115,5 Meter über Adria (müA) –  circa zehn Zentimeter niedriger als Mittelwert und um knapp zehn Zentimeter höher als 2020.© Bild: Hydro BurgenlandHistorischer RückblickDie Nutzung des Sees beziehungsweise seines Bodens ist seit Jahrhunderten Spielball der Mächtigen – und am Ende doch immer abhängig von der Natur. Davon zeugen dokumentierte Ereignisse und Entwicklungen, wie zum Beispiel Hochwasser, die immer wieder dafür sorgten, dass Bauern abwandern mussten.

Bewegte Geschichte1865 bis 1868 war der Neusiedler See zuletzt vollständig ausgetrocknet. Aufgrund der dokumentierten Austrocknungsphasen kann man annehmen, dass er bisher rund hundert Mal ohne Wasser war.1918 scheiterte ein Entwässerungsplan durch das Ende der Monarchie. Drei Jahre später wurden weitere Pläne zur Trockenlegung von Jägern, Naturschützern und der Bevölkerung verhindert.

1938wurden mehrere Projekte geprüft, um den See zu erhalten, etwa Zuleitungen von Donau oder Leitha, sogar  Turbinen waren im Gespräch.1941 erreichte der See seine bisher größte Ausdehnung und trat dabei viele Kilometer weit über die Ufer.

2014 wurde zuletzt in größerem Ausmaß Wasser über den Einser-Kanal in Richtung Ungarn abgelassen Dazwischen gab es aber auch Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs, unterbrochen von Rückschlägen, wie jahrelangen Torfbränden (ab 1857) und einer Invasion von Wanderheuschrecken im Jahr 1858. Oder gleich der kompletten Austrocknung, was sogar zum Anbau von Reis führte – und dank Wind und Trockenheit jede Menge Salz in die Weingärten und umliegenden Ortschaften brachte. Aufgrund von Lebensmittelengpässen gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde damals ernsthaft über die Trockenlegung des Sees diskutiert. headtopics.com

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