Covid-Abenteuerurlaub in Madrid: Ausgehen mit Risiko

Covid-Abenteuerurlaub in Madrid: Ausgehen mit Risiko

17.03.2021 16:16:00

Covid-Abenteuerurlaub in Madrid: Ausgehen mit Risiko

Spaniens Hauptstadt hat den Ruf, besonders wenige COVID-Restriktionen zu haben. Ein gutes Reiseziel - wenn man sich traut.

pocketFreitagnacht, vier Minuten vor elf Uhr, hantiert eine McDonalds-Angestellte an den Türen des Fastfood-Tempels am Plaza del Sol, im Zentrum von Madrid, herum. „Kann ich rein“, fragt ein junger Mann mit einem exotischen Spanisch. Vielleicht ist er Ausländer, vielleicht betrunken, vermutlich beides. „Wir haben geschlossen“, sagt die Mitarbeiterin. „Warum denn das“, fragt der Mann. Vielleicht kommt er auch von einem anderen Planeten.

Bis 23 Uhr geöffnetIn den letzten Wochen hat sich herumgesprochen, dass in Madrid die Läden, Restaurants und Bars offen sind, dass man Sport machen, ins Kino und Theater gehen kann. Die Ausgangssperre schränkt das Leben zwischen 23 und 6 Uhr ein, ansonsten ist man in der spanischen Hauptstadt weitgehend frei. Für Wiener, Pariser und Berliner müssen die Bilder wie ein Traum wirken, doch dieser kann sich jederzeit in einen Alptraum verwandeln.

© Bild: Maren HäussermannDie Gesundheitszentren sind überlastet. Im Osten der Stadt, nahe der Stierkampfarena steht der Familienarzt Antonio Cabrera vor Schildern mit der Aufschrift „Achtung! Extremes Risiko. 25% der COVID-Ergebnisse positiv!“ Die Patienten stehen Schlange um die Ecke, die nächste Straße hinunter. „Viele sind zum Testen hier“, erklärt der Cabrera. Er sagt, sie haben es seit Beginn der Pandemie nie geschafft, unter eine 14-Tage Inzidenz von 250/100.000 zu kommen. „Es gibt generell viel zu wenig Personal und für die Nachverfolgung erst recht keins, wir sind komplett überlastet.“ Auf die Frage nach der Sorge um Mutationen sagt er nur, dass es nicht möglich sei, eine Prozentzahl anzugeben, weil in Spanien zu wenige Kliniken darauf spezialisiert sind, diese überhaupt zu erkennen. headtopics.com

Leben mit dem VirusIn Madrid lebt man deshalb mit dem Virus. Man trägt überall die Maske, man verwendet Desinfektionsmittel und wenn es einen erwischt, bleibt man halt ein paar Tage daheim. Kostenlos getestet wird man nur, wenn man Symptome hat, nach zehn Tagen werden Selbstständige wieder für arbeitsfähig erklärt, ohne Test oder Arztbesuch. Weil es sich viele Leute nicht leisten können, nicht zu arbeiten, wandeln sie unter uns, positiv oder negativ. Egal.

Volle Lokale, volle PlätzeVor den Lokalen, auf den Straßen und Plätzen, sind alle Tische belegt. Zu sechst quetschen sich die Menschen um die Heizschwammerl, vor ihnen stehen leere Biergläser und Teller, man raucht und lacht. Es ist laut. Jemand hat einen Lautsprecher zwischen die Tische auf den Boden gestellt, ein paar Meter weiter spielt ein Mann mit Kapuze Flöte. Jugendliche sitzen auf einer Parkbank, es liegen Fahrräder am Boden, E-Scooter stehen verloren auf dem Gehweg. Bei frühlingshaften 13 Grad ignoriert man die Infektionszahlen, die eine 7-Tage Inzidenz von 110 bescheinigen. Auf dem Festland liegt nur Katalonien darüber.

© Bild: Maren HäussermannJede Region andersJede Autonome Region verfolgt ihre eigene Politik und so kommt es, dass in Andalusien die Restaurants um 18 Uhr schließen müssen und in Katalonien nur zu Frühstücks- und Mittagessenszeiten überhaupt öffnen dürfen. Für die Osterwoche, die wichtigste spanische Urlaubszeit, haben die Regionen beschlossen, ihre Grenzen zu schließen. Alle waren dafür – außer Madrid. Madrid ist anders. Die rechtskonservative Regionalpräsidentin Isabel Ayuso wurde schon im letzten Jahr wahlweise mit Donald Trump oder dem Joker, Batmans wahnsinnigem Gegenspieler verglichen, wenn es um ihre Coronastrategie geht, die sich in erster Linie auf wirtschaftliche Aspekte konzentriert.

© Bild: Maren HäussermannMadrids Bürgermeister José Luis Almeida verteidigt dieses Vorgehen. „Der Schmerz, der durch den Tod von Tausenden Menschen verursacht wurde, die Stresssituationen, die man in den Krankenhäusern sehen konnte und all die Stunden, die wir in unseren Häusern verbringen mussten, ich glaube, dass das psychologische Konsequenzen haben wird. Wir sollten alles tun, um sie zu dämpfen und eine zusätzliche Wirtschaftskrise weitgehend abzuwenden.“ headtopics.com

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