Biontech-Vize: 'Mutter' der Corona-Impfstoffe: 'Ich schlief Tag und Nacht im Labor'

Katalin Karikó ist Miterfinderin des mRNA- Impfstoffs, ihre bahnbrechende Erfindung macht die Biochemikerin zur aussichtsreichsten Kandidatin für den diesjährigen Chemie-Nobelpreis.

04.04.2021 07:15:00

Katalin Karikó ist Miterfinderin des mRNA- Impfstoffs, ihre bahnbrechende Erfindung macht die Biochemikerin zur aussichtsreichsten Kandidatin für den diesjährigen Chemie-Nobelpreis.

Katalin Karikó ist Miterfinderin des mRNA- Impfstoffs, ihre bahnbrechende Erfindung macht die Biochemikerin zur aussichtsreichsten Kandidatin für den diesjährigen Chemie-Nobelpreis.

©Sie gelten international als Miterfinderin und „Mutter“ der Corona-Impfstoffe. Wie kam es dazu?Katalin Karikó:Wie so oft im Leben spielt auch bei mir der Zufall eine große Rolle. In den 1980er-Jahren war ich am Biologischen Forschungszentrum in Szeged beschäftigt. Ich würde heute noch in Ungarn arbeiten, hätte ich Karrierechancen gehabt. 1985 erhielt ich von der Temple University im amerikanischen Bundesstaat Philadelphia das Angebot, am Biochemischen Institut meine Forschungstätigkeit über synthetische RNA fortzusetzen. So zogen mein Mann, meine kleine Tochter und ich nach Amerika.

Das war noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, wo selbst eine legale Ausreise in den Westen nicht unproblematisch war.Das ist richtig. Als Angestellte genehmigte mir die Bank beispielsweise nicht die Ausfuhr von Fremdwährung. Mein Mann und meine zweijährige Tochter durften Devisen im Wert von je 50 Dollar mitnehmen. Vom Verkauf unseres Autos haben wir 900 Dollar in den Teddybären meiner Tochter eingenäht und in die USA geschmuggelt. Das war unser gesamtes Startkapital.

Zur PersonKatalin Karikó, geb. 1955 in Szeged (Ungarn). Nach dem Gymnasium absolvierte sie ein Biologiestudium an der Universität Szeged.1985 wandertesie mit Mann und Kind in die USA aus. Sie ist Senior Vice President von Biontech.Wie hat sich der Neuanfang in den USA für Sie gestaltet? headtopics.com

Finanziell war es hart, weil wir im ersten Monat uns von den 900 Pfund über Wasser halten mussten. Wir waren wirklich auf Überlebenskurs. Wenn man nicht untergehen will, muss man schwimmen lernen, und so lernte ich so rasch wie möglich „schwimmen“. Ich verbrachte drei Jahre lang Tag und Nacht an der Universität, ich schlief buchstäblich im Labor. Drei Jahre später wurde mir von der John Hopkins University eine Professur angeboten. Als mein Vorgesetzter davon erfuhr, war er so beleidigt, dass er mich und meine Familie ausweisen lassen wollte.

Mehr zum ThemaBiontech/Pfizer mit hoher Wirksamkeit bei JugendlichenAus welchem Grund?Die Publikationen unserer Forschungsergebnisse liefen erstmals gut und er fürchtete, nach meinem Abgang würde das Institut keine Zuwendung bekommen. Er kontaktierte John Hopkins und die zogen ihr Angebot zurück. Mir blieb nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und an der Temple University zu bleiben. Rückblickend betrachtet verdanke ich diesem Umstand, dass ich meine Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Molekularbiologie, im Besonderen der Boten-RNA, intensivierte. Einige Jahre später wurde mir ein Lehrstuhl an der University of Pennsylvania angeboten und ich wechselte. Das ging anfangs auch gut. Nachdem es mir aber in sechs Jahren nicht gelang, Fördergelder für mein mRNA-Projekt zu lukrieren, wurde ich zurückgestuft und mein Gehalt wurde gekürzt.

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