Arbeiten trotz Infektion? 'Arbeitgeber kann Homeoffice nicht anordnen'

Arbeitgebervertreter unterstützen die Forderung des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Arbeiterkammer und Gewerkschaft sind dagegen.

20.01.2022 18:20:00

'Arbeitgeber kann Homeoffice nicht anordnen': Nach der Forderung des Wirtschaftsbundes reagieren Gewerkschaft und Arbeiterkammer

Arbeitgebervertreter unterstützen die Forderung des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Arbeiterkammer und Gewerkschaft sind dagegen.

pocketPer 19. Jänner waren in Österreich laut Daten des Gesundheitsministeriums und der Stadt Wien gut 142.000 Menschen als Kontaktpersonen 1 in Quarantäne. Zusätzlich gibt es über 161.000 mit Covid-19 infizierte Personen. Mehr als 303.000 Personen sind daher von Quarantänemaßnahmen betroffen. Ein Umstand, der Arbeitgebervertretern Sorgen bereitet: Sie bangen um die Arbeitskraft des Unternehmens, wenn viele Menschen gleichzeitig ausfallen.

Rechtlich sieht es aktuell so aus, dass das arbeitgebende Unternehmen nicht einseitig Homeoffice anordnen kann, wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer symptomlos mit Covid-19 infiziert sind. Genau das will der Wirtschaftsbund, eine Teilorganisation der ÖVP, jetzt ändern, wie die Organisation gestern via Aussendung mitteilte.

Weiterlesen: KURIER »

Arbeiten trotz Infektion? Was aktuell giltDer ÖVP-Wirtschaftsbund prescht mit Forderung vor, dass Quarantäne nicht automatisch Krankenstand bedeuten soll. Der KURIER hat sich angesehen, was aktuell gilt.

Geimpfter Wiener durfte trotz PCR-Test nicht in PraxisWeil ein Wiener keinen Test in der Praxis machen wollte, wurde er nicht behandelt. Der Chefarzt spricht vom Schutz seiner Mitarbeiter und Patienten. Hippokratischer Eid 2.0 ... Zuerst beweist du mir das du gesund bist, dann wirst du behandelt.

Trotz Corona-Krise: Endlich wieder besser schlafenDie Corona-Krise ist für viele Menschen seit Langem auch eine psychische Herausforderung. Zwischen Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung ... ja, aber es hilft nicht zu jammern, aufpassen, Maske, und Abstand halten, es gibt auch noch was anderes als dauernd nur Corona, schreibt mal was anderes, als Politiker und Corona 🤔🤔 Edtstadler droht mit Lohnpfändung. Warum gibt es von der Krone keine aufklärenden Beiträge? Wenn es kein rechtskräftiges Urteil vom VfGH gibt, braucht niemand zu zahlen. Diese Strafe ist nicht ausjudiziert, wie Anonymverfügungen im Straßenverkehr. Heroin

Omikron-Genesene erzählen: 'Noch nichts Vergleichbares erlebt'Von leichten Beschwerden bis hin zu tagelanger Bettruhe: Was eine Omikron-Infektion mit Betroffenen macht. Vier Genesene berichten.

3 Arbeiter mehrere Meter tief in Schacht gestürztSchwerer Arbeitsunfall am Dienstag in der Wiener Innenstadt: Drei Männer stürzten bei Arbeiten mehrere Meter tief in einen Aufzugsschacht. Ein ... Arbeiten kann tödlich sein, warum unternimmt keiner was dagegen? Lockdown, Impfung,Verbot, irgendwas

Schulstreiks: Keine wunderbaren JahreDie Abschlussklassen der vergangenen zwei Jahre wurden von der mündlichen Matura befreit. Warum das heuer nicht gelten soll, ist sachlich nicht nachvollziehbar

mail pocket Per 19. Jänner waren in Österreich laut Daten des Gesundheitsministeriums und der Stadt Wien gut 142.000 Menschen als Kontaktpersonen 1 in Quarantäne. Zusätzlich gibt es über 161.000 mit Covid-19 infizierte Personen. Mehr als 303.000 Personen sind daher von Quarantänemaßnahmen betroffen. Ein Umstand, der Arbeitgebervertretern Sorgen bereitet: Sie bangen um die Arbeitskraft des Unternehmens, wenn viele Menschen gleichzeitig ausfallen. Rechtlich sieht es aktuell so aus, dass das arbeitgebende Unternehmen nicht einseitig Homeoffice anordnen kann, wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer symptomlos mit Covid-19 infiziert sind. Genau das will der Wirtschaftsbund, eine Teilorganisation der ÖVP, jetzt ändern, wie die Organisation gestern via Aussendung mitteilte. Forderung im Detail "Infiziert bedeutet nicht gleich krank, deshalb fordern wir die Teilarbeit für alle, die ihrer Arbeit von zuhause aus weiter nachgehen können“, argumentierte gestern Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger. Auch für Kontaktpersonen in Quarantäne müsse eine Weiterarbeit in der Quarantäne via Homeoffice individuell vereinbart werden, heißt es in der Aussendung weiter. Forderung: Infektion allein soll nicht von Arbeit befreien Egger fordert daher:"Künftig soll nicht die Quarantäne automatisch von der Arbeit befreien, sondern wie auch sonst üblich, die Krankschreibung durch den Arzt." Die Letztentscheidung über die Arbeitsfähigkeit solle aber"natürlich weiterhin beim Arzt" liegen."Dennoch gilt es rechtliche Rahmenbedingungen für alle Infizierten zu schaffen, die weiterhin arbeiten wollen und das auch können." Freiwilligkeit als Faktor Die Arbeiterkammer zeigte sich heute auf Nachfrage des KURIER irritiert über diese Forderung."Grundsätzlich verstehe ich nicht ganz, wozu diese Forderung sachlich dienlich sein soll", sagt Silvia Hruška-Frank, Bereichsleiterin Soziales bei der Arbeiterkammer. Was das Homeoffice angeht, habe man"gemeinsam als Sozialpartner" das entsprechende Gesetz auf den Weg gebracht. Und darin sei die Freiwilligkeit als wichtiger Faktor verankert."Ich weiß nicht, warum man das jetzt in Frage stellt", so Hruška-Frank. Bei der Bezeichnung von leichten Symptomen sei sie sowieso kritisch."Die entscheidende Frage ist, ob jemand arbeitsfähig ist. Wir wissen ja, dass das keine banale Erkrankung ist." Vielmehr gebe es ein ganz anderes Problem:"60 Prozent der Menschen sagen", dass sie Homeoffice machen, anstatt Pflegefreistellung zu nehmen, 56 Prozent geben auch an, dass sie Homeoffice machen, wo sie früher im Krankenstand gewesen wären, erkärt die Expertin mit Verweis auf Daten aus einer Befragung der IFES im Auftrag der Arbeiterkammer, die Ende 2020 publiziert wurde. Die Menschen, die direkt vor Ort an der Arbeitsstätte fehlen, erwische man mit der Durchsetzung dieser Forderung ohnehin nicht. Wiewohl ja unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. Symtomfreiheit für 48 Stunden), in manchen systemrelevanten Berufen auch positiv Getestete an die Arbeitsstätte kommen können, etwa bei Kranken- und Kuranstalten. Vorschlag"vollständig" abgelehnt Ähnlich kritisch sieht der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB die Forderung des Wirtschaftsbundes:"Generell muss Homeoffice von beiden Seiten schriftlich vereinbart werden, also vom ArbeitnehmerIn und Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann daher Homeoffice in keinem Fall anordnen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme aus dem ÖGB gegenüber dem KURIER."Es kann auch niemand einseitig im Homeoffice bleiben, weil er oder sie Angst davor hat, in der derzeitigen Situation die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen." Außerdem erhalte der Arbeitgeber für die Ausfallszeit einen vollen Ersatz vom Bund."Wenn ArbeitnehmerInnen nun im Homeoffice arbeiten müssen, dann bekommt der Arbeitgeber einen Ersatz, obwohl es keinen Ausfall gibt", heißt es weiter. Der ÖGB lehnt den Vorschlag daher"vollständig ab". Industrie unterstützt Sehr wohl etwas abgewinnen kann dem Wirtschaftsbund-Vorstoß die Industriellenvereinigung. Es gelte, die Produktion aufrecht zu erhalten, um Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität des Landes aufrecht zu erhalten. "Das muss auch während der aktuellen Omikron-Welle gelten. Umso wichtiger ist daher eine pragmatische Lösungen für berufstätige Menschen, die sich in Quarantäne begeben müssen oder einen symptomlosen Verlauf haben. Die Industrie unterstützt daher den Vorstoß des Wirtschaftsbundes, dass die Quarantäne keine automatische Befreiung von der Arbeit bedeutet, sondern wie bisher die Krankschreibung durch den Arzt", heißt es von der Industriellenvereinigung. WK ebenso dafür Auch die Wirtschaftskammer steht dem Vorstoß des Wirtschaftsbundes wohlwollend gegenüber:"Wenn im Falle einer Corona-Infektion keine Symptome vorhanden sind, ist aus unserer Sicht die Vereinbarung von Homeoffice durchaus sinnvoll."  Das wäre unter diesen Umständen eine"Win-Win-Situation", wenn"der Arbeitnehmer nicht aus dem Arbeitsalltag gerissen wird, keine Kollegen für ihn einspringen müssen und es in den durch die Omikron-Welle ohnehin schon stark belasteten Unternehmen nicht zu noch mehr Personalausfällen kommt".