'Angriff auf die Wiener Kaffeehauskultur'?

Landtmann-Betreiber Berndt Querfeld sieht sich wegen Mietzinsrückständen mit einer Räumungsklage der Wlaschek-Privatstiftung konfrontiert. Eine außergerichtliche Einigung ist aber noch nicht vom...

21.04.2021 08:24:00

Landtmann-Betreiber Berndt Querfeld sieht sich wegen Mietzinsrückständen mit einer Räumungsklage der Wlaschek-Privatstiftung konfrontiert. Eine außergerichtliche Einigung ist aber noch nicht vom Tisch.

Landtmann-Betreiber Berndt Querfeld sieht sich wegen Mietzinsrückständen mit einer Räumungsklage der Wlaschek-Privatstiftung konfrontiert. Eine außergerichtliche Einigung ist aber noch nicht vom...

Landtmann-Betreiber Berndt Querfeld sieht sich wegen Mietzinsrückständen mit einer Räumungsklage der Wlaschek-Privatstiftung konfrontiert. Eine außergerichtliche Einigung ist aber noch nicht vom Tisch.Eigentlich ist die Corona-Pandemie schuld. Aber davon hat Berndt Querfeld, der Betreiber des Traditionskaffehauses Landtmann, nichts. Und auch die Vermieterin der Landtmann-Räumlichkeiten, die Privatstiftung (samt Tochtergesellschaften) des verstorbenen Billa-Gründers und Immobilien-Tycoons Karl Wlaschek, kann sich davon nichts abschneiden. Wenn der Streit zwischen den beiden Parteien vor Gericht ausgetragen wird, wird am Ende entweder die Stiftung oder der Café-Betreiber eine Niederlage verschmerzen müssen.

EU will Barzahlungen über 10.000 Euro verbieten Briten dürfen sich wieder küssen und umarmen EU-Einigung zu grünem Pass für Köstinger bis Sommer eine 'Herausforderung'

Doch soweit muss es nicht kommen. Bezüglich der wegen Corona nicht bezahlten Mieten könnte auch ohne Urteil eine Einigung (Vergleich) erzielt werden. Man wolle die Tür nicht zuschlagen, heißt es seitens der Stiftung. Klar ist: Schon für Freitag (23. April) ist im Bezirksgericht Wien Innere Stadt die erste Verhandlung anberaumt.

Gilt der Seuchen-Passus?Die Stiftung klagt zirka 350.000 Euro Mietzinsrückstand ein. Geld, das von der Kaffeehaus-GmbH wegen der zermürbend langen Lockdown-Phasen bzw. wegen der Abstandsregeln (viele Sitzplätze unbenutzbar) nicht überwiesen wurde. Und sie klagt auf Räumung des Objekts. headtopics.com

Vorerst bleibe dem Vermieter gar nichts anderes übrig, als zu klagen, heißt es seitens der Stiftung. Etliche Argumente, die die Stiftungs-Position stützen sollen, liegen der „Presse“ vor: Die Beklagten würden sich auf einen Seuchen-Passus (Paragraf 1104 ABGB) stützen, der aber gar nicht gelte.

Das Bestandsobjekt sei nämlich durchgehend „brauchbar“ gewesen. Der Mieter habe sich allerdings für eine Branche entschieden, deren Ausübung derzeit praktisch verboten ist. Dafür könne aber die Vermieterin nichts. Außerdem habe der Mieter im Lockdown auch Büroflächen genutzt und dafür keine Mieten bezahlt, obwohl für diese Flächen keine Gastro-Einschränkungen galten.

Anbot einer MietzinsreduktionAußerdem seien staatliche Hilfsgelder geflossen – es sei undenkbar, dass der Betreiber eines Kaffeehauses staatliche Beihilfen auf Kosten des Steuerzahlers beziehe, gleichzeitig aber die Miete nicht bezahle.Dennoch habe man zuletzt dem Mieter entgegenkommen wollen – indem man den Mietzins für die erste Lockdown-Phase reduziere. Auch wenn dies nicht gefruchtet habe, würde sie die Hand weiterhin „ausgestreckt halten, um im guten Miteinander zu einer fairen Lösung zu kommen“, ließ Martina Schmidradner, die Vorständin der Stiftungstochter Novoreal (diese Firma hält das betreffende Gebäude), die „Presse“ wissen.

Die Gegenposition von Berndt QuerfeldLandtmann-Chef Berndt Querfeld ist irritiert. Auf seinem Schreibtisch liegt nun die von Wlaschek-Privatstiftung eingebrachte Klage. Demnach soll er Mietzins-Rückstände begleichen, da ja das Bestandsobjekt an sich, also das Landtmann, nicht unbrauchbar sei. Auch in der Pandemie nicht. Die Einschränkungen würden sich „nur“ auf sein Gewerbe beziehen. Darauf aufbauend werfe man ihm nun vor, eigenmächtig Mietzahlungen gestoppt zu haben. Querfeld bitter: „Das Argument der Vermieter, dass die Pandemie die Nutzbarkeit von Kaffeehäusern nicht einschränkt, ist meines Erachtens geradezu eine Form der Coronaleugnung. Diese gesamte Vorgehensweise ist sehr befremdlich und stellt für mich einen direkten Angriff auf die Wiener Kaffeehauskultur dar.“ headtopics.com

Nur 3000 Zuschauer?: Kogler: 'Es wird keine Sonderregelung für die Formel 1 in Spielberg geben' Irre: Stunt-Sprung vom Stadtpfarrturm Klagenfurt! Musks Satelliten am Nachthimmel über Österreich

Mediator war unerwünschtIm Vorfeld sei kein offenes Gespräch möglich gewesen. Diesbezüglicher, der „Presse“ vorliegender Mailverkehr zeigt, dass die Klägerin nicht an der Zuziehung eines Mediators interessiert war. So heißt es in einem Mail vom 16. November 2020: Man könne in der Sache zwar verhandeln, aber: „Wir hatten nie die Absicht, einen Mediator in dieser Angelegenheit zu engagieren und haben dies auch niemals signalisiert.“

Laut den Beklagten seien Verhandlungen auf Augenhöhe unmöglich gewesen. Berndt Querfeld erklärt, dass die Stiftung versucht habe, Bedingungen zu diktieren. Tatsächlich heißt es im erwähnten Mail der Klägerseite: Man habe ein „Angebot“ ausgearbeitet, „das wir ausnahmslos allen betroffenen Mietern im Bereich Gastronomie unterbreiten“. Darüber hinaus besitze die betreffende Stiftungs-Tochterfirma „kein Verhandlungs-Pouvoir“. Somit sei die Kaffeehaus-Gesellschaft von der Novoreal Immobilieninvest AG praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Was nun die staatlichen Finanzhilfen für die Gastronomie bzw. deren Verfügbarkeit angehe, so steht Querfeld auf diesem Standpunkt: „Ich verstehe ja den Unmut der Vermieter, aber es ist eine politische Entscheidung, die Vermieter von staatlichen Unterstützungen auszuschließen.“ Die Debatte über diese Entscheidung könne nicht auf dem Rücken der Mieter ausgetragen werden. „Das betrifft insbesondere den Versuch, die Herausgabe von staatlichen Unterstützungen, die den Unternehmern zur Einhaltung ihrer Liquidität gegeben werden, zu fordern.“

Inwieweit der Streit vor Gericht weitergeht, ist derzeit noch fraglich – auffällig ist indes schon, dass beide Seiten beteuern, reden zu wollen. Somit dürfte eine gütliche Einigung gewiss nicht ausgeschlossen sein. Weiterlesen: Die Presse »

Landtmann wird doch die Mietrückstände bezahlen können....