75 Jahre Unesco – quo vadis?

Die Verankerung des Friedens im Geiste der Menschheit - der Gründungsauftrag der Unesco hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren. Im Gegenteil.

15.11.2020 20:17:00

Die Verankerung des Friedens im Geiste der Menschheit - der Gründungsauftrag der Unesco hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren. Im Gegenteil.

Die „Verankerung des Friedens im Geiste der Menschheit“ - der Gründungsauftrag der Unesco hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren. Im Gegenteil.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.Spätestens in Zeiten akuter globaler Herausforderungen – wie diese Pandemie wohl eine der einschneidendsten der jüngsten Geschichte ist und die Klimakrise eine solche sein wird – wird deutlich, dass individuelle Alleingänge auf nationalstaatlicher Ebene zwar vielleicht kurzfristig sichtbar, langfristig jedoch nicht erfolgreich sein werden können. Die COVID-19 Pandemie hat bekanntermaßen nicht nur eine weltweite Gesundheitskrise ausgelöst, sondern auch eine tiefgreifende Krise des kulturellen Lebens und des Bildungswesens nach sich gezogen. Auch wenn sich die Situationen in unterschiedlichen Teilen der Welt in den Details unterschiedlich darstellen mögen, handelt es sich um globale Phänomene: weltweit wurden Schließungen von Bildungs- und Kultureinrichtungen, Schulen, Universitäten, Museen und Theatern vollzogen - und damit massive Eingriffen in das gemeinschaftliche Leben mit bislang noch kaum vorherzusehenden Folgen.

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Die Krise betrifft also wie kaum ein anderes Ereignis die Kernthemen und Mandate der Unesco. Die Unesco war es auch, die als eine der zentralen Institutionen in Bildungs- und Kulturfragen auf internationaler Ebene rasche Schritte setzen konnte. Neben der Etablierung eines Monitorings für Schulschließungen stand die Gründung einer globalen Bildungskoalition – bestehend aus multilateralen Partnern, privatwirtschaftlichen Akteur*innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen – im Zentrum, um Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, Fernunterricht zu verbessern und integrativer und gerechter zu gestalten. Die Tätigkeiten der Koalition in den verschiedenen Ländern ist vielfältig: von der Bereitstellung von offen zugänglichen Bildungsangeboten, der Unterstützung der Lernenden und Lehrpersonen bis hin sowie zur Verfügungstellung von Infrastruktur und technischem Equipment. Die ebenso von der Unesco angestoßene „ResiliArt“-Bewegung wendet sich hingegen an Kulturschaffende und versucht, über internationale Vernetzung Möglichkeiten und Antworten auf die Fragen dieser Kulturkrise zu finden und jenen eine hörbare Stimme zu geben, die akut von dieser betroffen sind.

Am deutlichsten sichtbar wurde in diesem Jahr wohl eine Notwendigkeit: die Stärkung internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit, etwa durch die aktive Förderung von Open Science, deren weitreichenden Chancen vor dem Hintergrund der globalen Krise zunehmend an Bedeutung gewinnen. headtopics.com

75 Jahre nach ihrer Gründung steht die Unesco nicht nur einer gänzlich veränderten Welt, sondern auch neuen Problemen gegenüber. Zu ihren ursprünglichen, beinahe schon klassischen Aufgaben des Kulturgüterschutzes oder der Bewahrung von Umwelt, Biodiversität und natürlichen Ressourcen haben sich, trotz immer knapper werdender finanzieller Ressourcen, Fragen der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz und – immer virulenter werdend – den Problemstellungen des Klimawandels in das ohnehin schon breite Themenspektrum der Organisation gereiht.

Nur so stark wie ihre MitgliederKritik an der Unesco gab und gibt es immer wieder. Die Unesco reagiert darauf mit einem ambitionierten Reformbestreben unter der Ägide der aktuellen Generaldirektorin Audrey Azoulay. Viele Kritikpunkte mögen aber auch einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber einer multilateralen Organisation geschuldet sein, die nur bis zu einem gewissen Grad erfüllt werden kann. Klar muss sein, dass die Unesco nur so stark sein kann, wie ihre Mitglieder dies zulassen. Und dies wiederum war immer Schwankungen unterworfen. Insbesondere der Austritt der USA, bedeutend als Finanzgeber und geopolitisch starke Stimme, hat zudem zu einer massiven Schwächung, nicht nur der Organisation, sondern des Multilateralismus insgesamt geführt. Jüngste Äußerungen des frisch gewählten US-Präsidenten Joe Biden machen jedoch Hoffnung, dass dem Multilateralismus wieder eine größere Rolle zukommen und Bedeutung beigemessen werden könnte.

Die Unesco hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass das vor 75 Jahren erdachte System der multilateralen Kooperation nicht obsolet geworden ist. In ihrem Bezug auf die Grundideen der Menschenrechte – als erste UN-Organisation noch vor der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 und ihrer Einbindung zivilgesellschaftlicher Kräfte war die Unesco zudem bereits zu ihrer Gründung innovativ. Aktuelle Initiativen, etwa das unlängst verabschiedete Übereinkommen zur einfacheren Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich oder die Bestrebungen im Bereich Ethik der künstlichen Intelligenz zeigen, dass die Unesco auch 75 Jahre später als globales „laboratory of ideas“ zukunftsweisende, innovative Lösungen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur und bieten kann. Es bleibt also zu hoffen, dass dieser erfolgreiche Weg gesehen wird und weiter beschritten werden kann. Denn globale Herausforderungen brauchen globale Lösungen und starke Institutionen, die diese tragen können.

Sabine Haag(*1962 in Bregenz) ist seit 2009 Direktorin des Kunsthistorischen Museums in Wien und seit 2018 Präsidentin der Österreichischen Unesco-Kommission.[QXJ7J]Zum „Das Wichtigste des Tages“NewsletterDer einzigartige Journalismus der Presse. headtopics.com

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Hater sich da mit 'quo vadis'der AMI Gemeldet Antwort.. Cleer Status Quo'' 'You in the Army naw..''