Mittlerweile befinden wir uns im zehnten Monat der Coronakrise. Nachdem viele Mitte März mehr oder weniger ins Homeoffice gestolpert sind, ist die Arbeit Zuhause mittlerweile schon fast zur Routine geworden.

Schön langsam zeigt sich auch durch einen Impfstoff ein Licht am Ende des Tunnels. Nun stellen sich viele Unternehmen die Frage, wie es in den kommenden Jahren in ihren Büros, nach der Zeit von Abstandhalten und Maske tragen, weitergehen wird.

Temperatur-Scan
Temperatur-Scan © (c) BECKER LACOUR - Olaf Becker (BECKER LACOUR - Olaf Becker)
Leitsystem
Leitsystem © (c) BECKER LACOUR - Olaf Becker (BECKER LACOUR - Olaf Becker)

Nun hat der Möbelhersteller einen Prototyp erstellt, der ein gemeinsames Arbeiten nach Covid-19 ermöglichen soll. Unter anderem soll mithilfe eines Check-Ins mit Temperaturscan und kontaktloser Händedesinfektion die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet sein. Sobald der Bildschirm nach der Temperaturmessung, der Registrierung und der kontaktlosen Händedesinfektion grünes Licht gibt, führt ein Leitsystem den Besucher an einen zuvor ausgewählten und gereinigten Arbeitsplatz.

Mit Abstand und Trennwand
Mit Abstand und Trennwand © (c) BECKER LACOUR - Olaf Becker (BECKER LACOUR - Olaf Becker)

Die Abstände zwischen den Arbeitsplätzen sind entsprechend gestaltet und werden zusätzlich durch mobile Raumteiler gegliedert. 

Wie werden wir in Zukunft zusammenarbeiten?

Der Wiener Zukunftsforscher Andreas Reiter ist auch der Meinung, dass viele nicht mehr in ihr altbekanntes Arbeitsleben zurückkehren werden und sich so gut wie jeder Arbeitsbereich drastisch verändern wird.

Ein großes Thema wird zum Beispiel sein, wie man zukünftig Zusammenarbeit organisieren wird.

"Arbeit wird sehr dezentral, von verschiedenen Orten aus passieren. Alle Mitarbeiter sind in ein virtuelles Netzwerk eingebunden. Eine neue Kultur der digitalen Kollaboration - auch mit externen Partnern, Stakeholdern - breitet sich aus. Alles ist sehr flüssig, sehr projektbezogen. Große Unternehmen werden auch mehrere kleine, regional verteilte Büros haben, teilweise in Coworking Spaces integriert, auch dort werden die Mitarbeiter fallweise und je nach Projekten mit anderen zusammenarbeiten. Beispielsweise bei Innovationsprozessen."

Wird es noch klassische Büros geben?

Andreas Reiter ist weiters überzeugt, dass das Ende des Büros als Prestige-Faktor eingeläutet ist.

"Multilokales Arbeiten ist die Zukunft. Es wird sich ein neues flexibles Arbeitsschema durchsetzen, das beliebteste wird das 3-2-2-System sein: drei Tage im Büro, 2 Tage Homeoffice, 2 Tage frei. Unternehmen können so einerseits ihre Bürokosten drastisch einsparen, wir gehen von circa 10 Prozent weniger an Büroflächen aus, zum anderen wird durch wachsende Flexibilität und Eigen-Organisation der Mitarbeiter nachweislich deren Output erhöht."

Wird medizinisches Equipment im Büro zum Alltag gehören?

Zuerst zum Temperatur-Scan und dann erst an die Arbeit? D Wird so der post-Corona-Büroalltag aussehen?

"In sensiblen Bereichen und kritischen Infrastrukturen sind solche Checks durchaus vorstellbar. So wie wir ja künftig auch Fernreisen nur mit einem Impfnachweis antreten werden können. Aber generell gehe ich ab dem zweiten Quartal 2021 dank der ausrollenden Impfung von einer deutlichen Entspannung und damit einem gelasseneren Umgang mit gesundheitlichen Themen aus", erklärt der Zukunftsforscher.

Werden viele Unternehmen in irgendeiner Art beim Homeoffice bleiben?

Berichten der New York Times zufolge wird der Technologieriese Google seine Homeoffice-Phase bis September 2021 verlängern.

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Andreas Reiter: "Der überwiegende Teil  wird sicherlich in irgendeiner Form beim Homeoffice bleiben. In den USA haben selbst große Tanker wie Google ihre Rückkehr ins Büro auf September 2021 verschoben, Facebook bis Juli 2021. Danach wird sich das einpendeln, in hybride – und individuell gestaltbare Arbeitszeiten, mal Präsenz, mal digital. In Europa gehe ich davon aus, dass rund zwei Drittel der Firmen diese Arbeitsweise nachhaltig beibehalten."