Trump glaubt, er kann nur durch "massiven Wahlbetrug" verlieren

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Der amtierende Präsident ist in Umfragen ins Hintertreffen geraten. Darum schießt er sich erneut gegen die Briefwahl ein - und stellt Manipulationen in den Raum.

Mehr als 60 Millionen Amerikaner haben vor der Präsidentenwahl bereits die Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe genutzt, per Briefwahl oder persönlich. Auch Donald Trump selbst hat seine Stimme frühzeitig abgegeben, und zwar in der Nähe seines Golfclubs Mar-a-Lago.

Nichtsdestotrotz hat der US-Präsident erneut zum Rundumschlag gegen die Briefwahl-Option ausgeholt: Er sei sich sicher, bei der bevorstehenden Abstimmung nur im Fall von "massivem Wahlbetrug" verlieren zu können, sagte er jetzt. Besonders die Abstimmung per Briefwahl sei betrugsanfällig, behauptete Trump am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Allentown, Pennsylvania. "Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie wir verlieren können: massiver Wahlbetrug."

Angesichts der grassierenden Coronapandemie ist die Briefwahl für viele US-Bürger eine sichere Möglichkeit, mitzubestimmen - vor allem viele demokratische Wähler sind dem zugeneigt. Hintergrund der Attacken, die Trump schon seit geraumer Zeit reitet, dürfte sein Rückstand in Umfragen sein: Der amtierende Präsident liegt hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Trump hat demnach auch noch nie stichhaltige Belege für seine wiederholte Warnung vor massivem Wahlbetrug vorgelegt. Experten und selbst viele Republikaner haben Trumps Warnungen zurückgewiesen. Wahlbetrug ist in den USA extrem selten und wird von der Justiz streng geahndet.

Höchste Wahlbeteiligung seit einem Jahrhundert erwartet

Die Behörden rechnen wegen der Corona-Pandemie mit einer massiven Ausweitung der Briefwahl, was für viele Wahlämter eine Herausforderung ist. Viele Wähler und Behördenvertreter in den Bundesstaaten sehen diese Art der Abstimmung als einen guten Weg, das Corona-Risiko einer Abstimmung im Wahllokal zu vermeiden. Auch die Demokraten machen sich für die Briefwahl stark. Der Republikaner Trump hingegen scheint die Briefwahl als Finte seiner Gegner zu betrachten, um ihn mit Hilfe einer hohen Wahlbeteiligung zu schlagen.

Durch die hohe Beteiligung per Brief stehen die Chancen gut, dass beim Urnengang am 3. November die höchste Wahlbeteiligung seit über einem Jahrhundert erreicht wird. Es wird mit rund 150 Millionen Teilnehmern gerechnet. Damit würden 65 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben - eine so hohe Beteiligung hat es bei den eher als Wahlmuffel geltenden Amerikanern seit 1908 nicht mehr gegeben.

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